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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Achtung, detailreich! Lesen auf eigene Gefahr!

   23.05.17, Wien, Metropol
   hinzugefügt am 24.05.2017  von Sori

Nach einer eher ernüchternden Rezension zu „Ja eh“ wusste ich mit Sicherheit, dass das Konzert mich eines Besseren belehren würde.

[...]

Im Gegensatz zu den letzten STS-Konzerten, wobei ich mehr als nur ein Konzert pro Tournee mitnahm, entschied ich mich bewusst für EIN Konzert von Steinbäcker. So verbot ich es mir, zu den ersten Konzerten Berichte, Foreneinträge auf STS.cc und dergleichen im WWW zu lesen. Ich wollte keine Erwartungen schüren, obwohl ich natürlich hier und da Wünsche hatte.

Im Kartenbüro des Wiener Metropol angekommen, holte ich meine reservierte Karte ab, die ich am Abend des 26. September 2016 bestellte. Staunte nicht schlecht, dass mir Reihe 1, Sitz 1 zugeteilt wurde. Ich hoffte eigentlich auf Reihe 2 oder 3 und eher Mitte. Aber das Luxusproblem löste sich auf, nachdem das Konzert begann.

[...]

Zuerst betraten Erich Buchebner, Maria Ma und Franz Zettl die Bühne. Begleitet von den Herren Buchebner (an der Akustikgitarre) und Zettl, spielte Maria Ma mit hochkonzentriertem Blick auf ihrem Hackbrett eine liebliche Melodie. (Kann man auf einem HACKbrett eine solche Melodie erklingen lassen? War das nicht ein Xylophon? Ich habe nicht darauf geachtet. Sie war genau vor mir.) Anschließend stießen Ulli Bäer, Gerd Wennemuth und GERT STEINBÄCKER dazu. Der Applaus im Publikum war groß, ich jubelte laut – ohne zu wissen, ohne wissen zu wollen, was auf mich zukommen würde. Und schon das erste Lied haute mich um, fing mich wieder auf und nahm mich gefangen. Nicht, ohne ein paar Tränen vergießen zu wollen. „Zeig‘ mir Dein‘ Himmel“.

Von Anfang bis Ende, Wort für Wort, sang ich das Lied mit und versank in meiner Zeitreise. Mit dieser Aufforderung, uns den Himmel zu zeigen, die Sterne, die Winkel, herrschte in mir eine Zuversicht, dass mir ein wunderschöner Abend bevorsteht. Nach „Alexis“ und „Die beste Zeit“ (Markant, wie das Ehepaar neben mir sich gegenseitig zunickte, nachdem das Wort „Kreisky“ fiel.) zeigte sich Steinbäcker in für mich ungewohnter Position: Die Gitarre aus der Hand gelegt, vom weich gepolsterten Bürodrehsessel erhoben, trug er, stehend, „Der Tag wird kommen“ vor.

Auch war es für mich spannend, Steinbäcker moderieren zu hören und zu sehen. (Das hat ja bisher immer der Schiffi gemacht.) Steinbäcker erzählte von seinem Freund Thomas Spitzer, der auf jedem Soloalbum von Steinbäcker mindestens ein Lied geliefert hat und von ihren gemeinsamen Stationen. So kam für mich die größte Überraschung in der Setliste: „Hamburg“. „1000 Kilometer san net weit. I steig ins Flugzeug, es wird Zeit“ berührte punktgenau meinen Nerv. Hier vermischten sich Erinnerung und Vorhaben. Hamburg steht immer noch ganz oben auf der Liste meiner Reiseziele.

Steinbäcker stellte Ulli Bäer vor, der ein leiwandes Leiberl mit der Aufschrift „Heanoize“ trug. Um sich eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, ließ er den Hernalser Ausnahmegitarristen „Alle Lichter“ spielen, was vom Publikum goutiert wurde. „Ja eh“ kam live ganz gut rüber, aber kaum verarbeitete ich das Lied aus der Neuzeit, überrollte mich wieder der dampfend-zischende Nostalgiezug. Angenehm ratternd brachte mir der wunderschöne Lok meine Live-Premiere von „I hab Di leb’n g’sehn“. Auch jetzt, nicht einmal 24 Stunden später, fehlen mir die Worte. Dazu möchte ich auch nicht nach Worten suchen. Nur die Erinnerung festhalten, dass mich dieses Erlebnis berührt hat.

Die „fuffzig“, „sechzig“, „ochtzig“ habe ich live gehört. Falls sich jemand fragt, wie ich auf die „80“ komme, verrate ich nur so viel, dass ich das Glück hatte, am 17. Juli 2005 beim Soundcheck dabei sein zu können. Nun holte ich mir das fehlende Glied in der Kette und das lobenswerte Publikum im Wiener Metropol sang die berühmten Zeilen mit. Manch einer wird an den nächsten Sommerurlaub denken, andere eher an den letzten Sommer, der sehr schön war und andere wiederum wollen von daham für immer fortgehen. Steinbäcker, mittlerweile 64 Jahre jung, zelebrierte die Hymne vom Fernweh und sorgte für einen lauten Applaus, als er den „Herzinfarkt mit siebzig“ anstreifte.

Bevor es in die Pause ging, sprach Steinbäcker ein unvermeidliches Thema an, das im zunehmenden Alter immer präsenter wird. Der Tod. Ich höre noch die ersten Takte von „Einfach nur still“ in mir. Genial. Einfach nur genial. Und dass Steinbäcker einer meiner liebsten „Bilder an der Wand“ besang, ließ mich strahlend in die Pause entlassen, wo ich mir ein weiteres Krügerl holte, nach langer Zeit Ariadne wiedersah und sehr nett mit ihr plauderte. („Mit Dir habe ich gerechnet, Sori!“)

Den zweiten Teil eröffnete Steinbäcker mit „Die Sunn über‘n Meer“. Gibt es eine Steigerungsform von Freude? Grenzenlos große Freude vielleicht? „Wieder a Sommer“ an diesem Abend schaffte es, aufs Neue, meine Tränendrüsen zu aktivieren. Dennoch war wieder diese kämpferische Stimmung da, die ermutigende Trotzreaktion. Auch hörte sich diese Live-Version ein wenig anders an, da Bassist Erich Buchebner und E-Gitarrist Ulli Bäer den Herrn Steinbäcker mit ihren akustischen Gitarren begleiteten. Habe ich schon erwähnt, dass die Stimme von Maria Ma eine Bereicherung ist?

„Der Obnd is lau…“ – ich konnte mich nicht beherrschen, mein lauter Juchzer übertönte „der Reg’n klopft aufs Dach“. Ja, ich hau mich gleich an die Stirn. Sori will sich aber nicht zusammenreißen. Und ließ sich von „So frei, wie man sein kann“ treiben. Mitgeschrien, mitgebrannt, wie das Feuer war ich beim Refrain.

Die nächste Moderation von Steinbäcker verstand ich nicht. Kaum war er fertig, sang Maria Ma unmissverständlich die ersten Zeilen. Daraufhin erschien… SCHIFFKOWITZ!

Da gab es kein Halten mehr im Publikum. Nach und nach erhoben wir uns von den Plätzen und sangen lauthals „Fürstenfeld“ mit. Die stehenden Ovationen waren nie enden wollend. Schiffkowitz, Helmut Röhrling, mittlerweile stolze 70, aber nach wie vor ein Nervenbündel mit sexy Anti-Schweiß-Stirnband, dennoch sehr berührt und gerührt vom Zuspruch des Publikums, ließ sein berühmtes „Es hot si ned vermeid‘n loss‘n. Do bin i wieder!“ auf das ach so unverdiente Wiener Publikum los.

Dass er selbst „Festung“ sang, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte.

Wenn Schiffi schon auf der Bühne stand, lieferte er uns mit der exzellenten Band noch ein „Gö, du bleibst heut nacht bei mir“, die viele Publikumsherzen höher schlagen ließ.

Auf dieser schönen Nostalgiewelle ritt Steinbäcker weiter mit „Großvater“. Auch wenn ich zu meinen biologischen, beide mittlerweile verstorbenen, Großvätern ein eher gespaltenes Verhältnis hatte, gedachte ich bei „Großvater, i möcht dir so viel sag’n, was i erst jetzt versteh’“ meinen Berliner Großvater.

Nach diesem Lied spürte ich, dass anschließend nur „Kalt und kälter“ kommen musste, wie ich es von den STS-Konzerten kannte. So war es auch. Und so wie ich es auch bei den STS-Konzerten tat, schnellte ich vom Sitz hoch und lachte, tanzte, sang das Lied mit.

Leider verging der Abend viel zu schnell und Steinbäcker kündigte „Das letzte Wort“ an.

Nach lauten „ZUGABE!“-Rufen kehrten Steinbäcker & Band mit „Mach die Aug’n zu“ zurück. Franz Zettl konnte ich von meinem ungünstigen Platz aus kaum sehen. Aber wie wunderschön er die Querflöte zu diesem Lied gespielt hat, wäre es auch kein Verbrechen, die Augen tatsächlich zu schließen und sich dem Lied hinzugeben.

Sein Talent als Multiinstrumentalist unterstrich er weiter in „Steiermark“, in dem er das prägende Tuba-Solo übernahm. Auch wenn Steinbäcker sein Heimatbundesland besang, herrschte ausgelassene Stimmung in meinem Heimatbezirk.

Ist es wirklich schon vorbei? „No a Liad, bevor i geh…“. Den zweiten Vers übernahm Ulli Bäer und den dritten – wie gewohnt – Schiffi. Tief in meiner Erinnerungskiste hörte ich Schiffis „Dankschön! Gute Nacht!“ in mir sagen. Aber am 23. Mai 2017 war es der Steinbäcker, der sich vom Publikum mit einem „Dankeschön!“ verabschiedete.

Gerd Wennemuth am Schlagzeug und Franz Zettl am Keyboard samt Blasinstrumente sind bewährte Live-Musiker, die ich noch aus STS-Konzerten kannte. Erich Buchebner wurde aus traurigen Umständen wieder Mitglied in der Live-Band von STS. Dass Ulli Bäer ein versierter Gitarrist ist, muss ich nicht noch einmal erwähnen. Maria Ma ist DIE Entdeckung und eine wunderbare Bereicherung für die „Boygroup“. Eine bestens aufeinander zugespielte Band mit einem – für mich – angenehm ungewohnten Spielleiter. Da frage ich mich manchmal, warum er es nicht früher gemacht hat. Aber ich freue mich, dass es dafür noch nicht zu spät war und ich ein besonderes Konzert erleben konnte. Was die Liederauswahl betrifft, rechne ich es hoch an, dass Steinbäcker nicht auf seine älteren Solo-Werke vergessen hat und zumindest ein Lied davon gespielt hat. (Luxus-Variante: Zwei STS-Lieder weniger, dafür zwei Lieder mehr aus seinem Solo-Katalog.)

Berührt. Dankbar.

Noch einmal ein „Servus“ und herzlichen Dank an Eva, die dafür sorgte, dass ich mir das Booklet von „Einmal im Leb’n“ signieren lassen konnte und für die schöne Autogrammkarte. Nochmals danke für die nette Unterhaltung mit Ariadne.

Beim Verlassen des Metropols schnorrte ich um eine Zigarette an, ging mit der Tschik in den lauen Abend hinaus und erst auf dem Heimweg tönte in meinem rechten Hörgerät die Melodie für „Batterie leer“.

Perfekt.

- Die vollständige Version samt Fotos ist auf
https://sori1982.wordpress.com/2017/05/24/23-05-2017-steinbaecker-im-wiener-metropol/
nachzulesen.

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