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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Musikalische Poeten

   18.12.04, Graz, Stadthalle
   hinzugefügt am 20.12.2004  von Riky

Ein wunderbarer Abend ist wieder einmal zu Ende und leider auch das letzte Konzert dieser Tournee, dass ich besuchen kann. Etwas wehmütig bin ich schon, dauert es ja jetzt fast ein halbes Jahr (Open Air-Konzerte) bis ich wieder die Gelegenheit haben werde, diese drei außergewöhnlichen Musiker zu sehen und zu hören. Eigentlich höre ich auch gerne andere Musiker und Musikrichtungen, aber es ist noch keiner anderen Gruppe gelungen, dass ich die Musik täglich hören kann. Es gibt auch auf den einzelnen CD’s fast nie ein Lied, das ich überspringen will. Eher kommt es vor, dass ich bei gewissen Titeln die Wiederholungstaste vom CD-Player strapaziere (denke da nur an „Das Meer“, „Regen fällt auf Milos“ oder „Was mach i heut’ Nacht ohne dich).

An diesem Samstag sollte erstmals ein STS-Konzert in der Grazer Stadthalle stattfinden. Mit etwas gemischten Gefühlen habe ich mich auf den Weg gemacht. Habe ich doch die Konzerte im Stefaniensaal immer besonders genossen. Die Liebenauer Eishalle (Ort der Veranstaltung im Jahr 2001) war da ja wirklich keine richtige Alternative. Natürlich kann auch die neue Stadthalle mit dem Stefaniensaal (ist er doch wesentlich kleiner, intimer und hat eine hervorragende Akustik) nicht wirklich mithalten. Aber ich kann schon verstehen, dass man auf eine größere Halle ausweicht, da hier dann ja nur zweimal aufgetreten werden muss und nicht fünfmal. Man muss eben mit der Zeit gehen, Altes geht, Neues kommt und kann auch seinen Reiz haben Außerdem ist es ein tolles Gefühl, zu erleben, wie sich 6000 Menschen begeistern können.

Zuerst aber gab es vorher ein Treffen mit einigen aus dem Forum. Marion und Douglas haben die weite Reise von München und Andi, unser liebenwürdiger Webmaster, von Vorarlberg gemacht, Roland kam aus Niederösterreich (in der Nähe von St. Pölten – „grins“), Ronsi, Ursula und ich hatten dieses Mal sozusagen Heimvorteil. Nach dem Konzert haben wir noch eine tolle Nachstimmungs-Feier im Humboldtkeller erlebt, nachdem ich Rolli überzeugen konnte, dass es noch einige andere gute Lokale in Graz – außer dem Theatercafe – gibt und dort auch für sein leibliches Wohl sehr gut gesorgt wird. Und wieder hat es sich herausgestellt, egal woher wir kommen und wer wir sind, echte STS-Fans verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Wir haben viel gequatscht und noch mehr gelacht.

Kurz nach 20 Uhr ging es dann wieder los. Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz betraten gut gelaunt die Bühne. Wie bereits bei den vorigen Konzerten begannen sie mit dem Titel der Tournee, mit HERZVERBUNDEN. Ich hätte auch nichts anderes als Einstimmung auf einen wirklich fantastischen Abend gewollt. Bereits ab der 1. Minute fühlte man sich herzverbunden mit den drei Herren auf der Bühne. Und dann haben wir für ein paar Stunden eine heile Welt erlebt, wir brauchten nur die tolle Musik auf uns wirken zu lassen. Die Moderation vom Schiffkowitz war wie immer locker, amüsant und einfach herrlich zum Zuhören, irgendwie glaubt man fast, man säße mit ihm in einem riesigen Wohnzimmer und plaudere gemütlich über Gott und die Welt. "Lass fließen die Zeit, lassen rollen den Strom" - wer will da schon davonrennen, da wollen alle dableiben und man spürt, es wird uns was gegeben.

Von der neuen CD hat dann Timischl im 1. Teil noch sein aufrüttelndes „Die ganze Welt“ zum Besten gegeben, ich hatte wirklich das Gefühl, er möchte so richtig losschrei’n. Genial auch sein „Zeit für uns“ und „Das Feuer“. Diese Stimme, einfach grandios, da schwingt soviel Power, Gefühl und Faszination mit. Eine Komposition auf die Liebe hat uns Schiffkowitz mit „Die Liebe“ beschert, ein Meisterwerk für sich, ein aufwühlender Text gepaart mit einer hervorragenden Musik. Hier konnte man auch Franz Zettl in voller Aktion erleben. Vom Steinbäcker hörten wir sein „So frei, wie man sein kann“ und „Wohin die Reise“, beides Songs, die unter die Haut gehen. Natürlich durften die beiden Solos nicht fehlen. Schiffkowitz wurde von Steinbäcker lustig und schmunzelnd angesagt. Eine herrliche Darbietung, die uns wünschen lässt, dass Steinbäcker öfters mal eine Moderation übernimmt. „Und warum“ erinnert mich an das „Er selbst“-Konzert im Orpheum vor 4 Jahren und lässt die Freude aufkommen, seine CD zu Hause hören zu können und dass er uns vielleicht doch noch mit einem 2. Album überraschen wird. „Xenos“ von Steinbäcker ist für mich nicht eine, sondern „die“ Hymne auf die Freundschaft zwischen zwei Menschen aus verschiedenen Ländern. Es gibt einfach nur a Abendsonn, dieser Text sagt doch alles, Verbundenheit, Freundschaft, Vertrauen, Verständnis, Toleranz, mehr braucht es nicht und man überwindet sämtliche Sprach- und Grenzbarrieren. Den Part des Griechen hat exzellent Schiffkowitz übernommen, und man kann sich sehr gut vorstellen, wie er in Griechenland sich mit einem Taxifahrer über das Wetter bzw. die „Demokratie“ unterhält. Vor dem letzten Lied „I bin aus Österreich“ in der 1. Konzerthälfte konnten wir noch die Aussage von Schiffkowitz: „I bin halb Burgenländer, halb Steirer und meine Tante kommt aus Kärnten“, vernehmen, das war NEU.

Der zweite Teil war dann gespickt mit vielen alten und wohlbekannten Hits. Begonnen mit „Gö, du bleibst heut’ Nacht bei mir“, gefolgt von „Wunder meiner Seeligkeit“, einer wunderbaren Liebeserklärung, und „Weit ist die Welt“, das von Fernweh erzählt, von der Fahrt durch das ehemalige Jugoslawien auf der Autoput, vom Pferdefuhrwerk, vom Fischer und vom Meer. Dann doch noch ein neuer Song: „Vulkan“, ein ganz besonderes Lied, ein Ich-bekomme-eine-Gänsehaut-Lied, ein Lied über die Drogenproblematik unserer Zeit, ein Lied, dass einem die Haare zu Berge stehen lässt, vor allem, wenn man (so wie ich) Kinder hat. Bei „I denk, wann i denk“ verlassen die Band-Mitglieder – bis auf Wolfram Abt – die Bühne. Ein absoluter Steinbäcker-Song aus dem Jahre 1987, den kennen wirklich nur eingefleischte STS-Fan, auf den haben wir gewartet. Ein toller Song, bei dem jeder sehen konnte, wie Steinbäcker mitgeht. Die nächsten drei Lieder singen sie dann im Urzustand, nur sie alleine auf der Bühne, ganz ohne Band, nur mit ihren Gitarren und mit ihren Stimmen. Das ist STS pur, da treibt es mich „Immer weiter fort“ (allein wie sie das Wort „durch“ singen, da sehe ich vor meinem inneren Auge das Wasser unter der Bruck’n rinnen), „Irgendwann bleib i dann dort“, das Griechenland-Lied überhaupt, mit leicht geändertem Text (Doch bevor der Herzinfarkt, mich mit 60 in die Windeln prackt) und das Beste „Sie wissen all’s besser“, bei dem am Ende die Band zu einem fulminanten Schluss des Liedes beiträgt. Danach stimmt Steinbäcker sein „Großvater“ an und viele im Saal halten Spritzkerzen und Feuerzeug-Lichter in die Höhe. Manche erinnern sich jetzt an ihren eigenen Großvater und einige Tränen rollen dann die Wangen herunter, mich stimmt es sehr traurig, weil ich nicht das Glück hatte, so einen Großvater zu haben. Bei „Kalt und kälter“ ist das Publikum dann nicht mehr zu halten, viele singen mit, viele klatschen wie verrückt, viele drängen bereits zur Bühne. Das sind eben die Lieder, für die alle Steinbäcker lieben. Was wäre ein STS-Konzert ohne das legendäre „Fürstenfeld“, der Song, der nicht nur diesen Ort, sondern auch Stinats und Sinabelkirchen weit über unsere Grenzen bekannt gemacht hat, auf den viele warten, vielleicht sind auch manche nur deswegen gekommen, für viele ist es „das“ Heimweh-Lied. Da sieht man mal wieder, wie eng Fern- und Heimweh zusammen liegen, wie sonst könnte Schiffkowitz, den ja (wie er erzählt hat) immer das Fernweh plagt, so ein Lied schreiben. Aber bei aller Liebe zu diesem Song darf man nicht vergessen, dass STS so viele herrliche Alben herausgebracht hat und sich deshalb jeder die Zeit nehmen sollte, auch die anderen Titeln anzuhören.

Zwei mal gibt es Zugaben: „Da kummt die Sunn“ und „Fahr mit mir auf’s Land“, sowie „Der Nachbar“ und das beste Abschlusslied, das ich mir vorstellen kann: „Auf a Wort“, und das noch dazu ein paar Tage vor Weihnachten, versetzt mich in eine besonders besinnliche und etwas nachdenkliche Stimmung.

Die Band war wie immer hervorragend, Ewald Beit, Gerd Wennemuth, Wolfram Abt und Franz Zettl. Außerdem ist mir nicht aufgefallen, dass der „Das-Lied-ist-zwar-noch-nicht-fertig-aber-Deine-Gitarre-will-ich-jetzt-schon-haben“ –Mann (ist einfach lustiger als Gitarrenbackliner) zu früh oder störend unterwegs war. Ich muss sogar sagen, dass er seine Arbeit so gut macht, dass er fast nicht auffällt.

Das Publikum war von Anfang an voll dabei, auch im 1. Teil gab es immer tobenden Applaus, vielen konnte man ansehen, dass sie die Texte kannten, viele sangen mit, viele klatschten begeistert nach dem Rhythmus der Musik.

Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz haben vorgeführt, dass das Feuer bei ihnen nicht nur glost oder klein vor sich hin schlummert, nein es brennt noch immer lichterloh. Sie haben in dieser Tournee uns allen gezeigt, wie gut sie noch drauf sind, mit wie viel Herz sie spielen und singen, wie viel Gefühl sie imstande sind uns zu vermitteln, dass sie zwar ergraut, aber im Herzen noch jung geblieben sind. In ihrer Musik und ihren Texten teilen sie uns so vieles mit, sehr oft sprechen sie aus, was wir nur denken und uns nicht trauen, es offen zu sagen. Sie greifen viele Themen auf: über Freundschaft, Vertrauen, Liebe, Verbundenheit, aber auch über die Drogen- und Ausländerproblematik, über unsere Vergangenheit. Sie bewegen, berühren und stimmen nachdenklich, sie inspirieren und wecken auf. … und so etwas von mir, einem Fan, der ein nüchtern denkender Mensch ist, beruflich nur mit Zahlen zu tun hat und vieles kurz und sachlich dokumentiert. Aber bei STS gerate ich unweigerlich ins Schwärmen, sie sind die „musikalischen Poeten“ des Jahres 2004, "meines" Jahres 2004.

Danke an Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz für einen wundervollen Abend und die besten Genesungswünsche an Timischl, damit er Weihnachten gesund im Kreise seiner Familie verbringen kann. Ein ganz großes Dankeschön auch an meinen Mann Reinhard, meine Freunde Melanie und Hannes, Manuela und Freddy, an meine Freunde aus dem STS-Forum: Andi, Marion und Douglas, Ronsi, Roland und Ursula, die dazu beigetragen haben, dass dieses Konzert einen würdigen Abschluss erhalten hat.

LG Riky

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