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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Ein Bericht, der besonderen Art:

   03.02.05, Mürzzuschlag, Sportzentrum
   hinzugefügt am 05.02.2005  von Riky

Ein Bericht, der besonderen Art:

Es waren einmal fünf wundersame Menschen, die eine beschwerliche Reise mit allen möglichen Gefahren und Abenteuern auf sich genommen hatten, um drei einzigartigen Minnesängern ihre Aufwartung zu machen. Zwei (Ursula, die Musikalische und Riky, die Literarische) waren nach langer reiflicher Überlegung bereit, sich aus dem tief liegenden Becken im Süden des Landes heraus zu wagen und machten sich auf den Weg in den nördlichen Teil ihrer Heimat. Bereits in der Nacht hatte sich das Wetter gegen sie gestellt und die Umwelt mit einem schon lange nicht mehr gesehenen, weißen Niederschlag bedeckt. Mühsam kämpften sie sich durch die Naturgewalten und schnauften die Steigungen hinauf, um immer wieder anzuhalten, da sperrige Fuhrwerke die Straßen versperrten. Zwei weitere (Ulli, die Fürsorgliche und Roland, der Unterhaltsame) kamen vom hohen Norden und mussten den kaum zu bewältigenden Semmering überqueren, wobei sie jedoch den Vorteil eines eigenen Kutschers hatten. Stundenlang, wenn nicht schon fast tagelang, dauerte ihre sehr beschwerliche, aber auch amüsante Reise an. Der Letzte im Bunde (Ronsi, der Gelehrte) musste sich sogar zwei fast unüberwindbare Berghänge hinaufquälen, kam er doch aus dem Land der Nocken, um nach einer endlosen Odyssee an sein Ziel zu gelangen.

Nur kurz konnten sich die fünf Freunde am Ort ihrer Begierde von ihren Strapazen erholen, da hier noch der steile Aufstieg zu den geheiligten Stätten notwendig war, um zu den umjubelten Sängern vorgelassen zu werden. Endlich konnten sie sich mit all den anderen Weit- und Nahgereisten zu ihren Füssen nieder lassen. Als die Spannung kaum mehr zu ertragen war, erschienen die lang ersehnten und erwarteten Meister: Gert, der Gelassene, Schiffi, der Fernwehgeplagte und Timen, der Heimatverbundene. Sie entführten ihre Anhänger in das Reich einer besonders melodischen, einfühlsamen, aber auch aufwühlenden und herzzerreißenden Musik. Viele, viele Minuten, sogar Stunden wurde gelauscht und geschwelgt, mitgesungen und jedes Wort, jeder Ton gierig aufgesaugt, wurden Herzen berührt und Tränen vergossen, wurden kleine Feuerchen entzündet und solange in die Hände geklatscht, bis sie schmerzten und sich kleine Blasen zeigten.

Eigentlich wollte Gert eine ganz besondere Hymne mit seinem Freund aus dem weit entfernten Land der Hellenen singen, jedoch hatte dieser den beschwerlichen Weg in die vom vielen Schnee eingeschlossene Welt doch lieber nicht angetreten, weshalb auch Gert’s Weggefährte Schiffi diesen Teil übernahm. Alle drei Musikanten waren gut gelaunt, machten Späße, lachten viel und genossen sichtlich die entspannte Atmosphäre. Schiffi, ein begnadeter, wenn auch etwas aufgeregter Redner erzählte kleine Anekdoten und erheiterte somit die anwesende Schar. Timen setzte gekonnt seinen Hüftschwung in Szene und ließ mit seiner tiefen und melodischen Stimme den Raum vibrieren, so lange, bis die Schwingungen auch in den Knochen der entfernst stehenden Zuhörer spürbar wurden. Gert schlenderte gelassen über Stock und Stein und dirigierte seinen persönlichen, sich hin und her wogenden Chor.

Die Minnesänger hatten zur Verstärkung vier Männer zur Seite, die mit ihren Instrumenten den Gesang der drei wunderbar untermalten und begleiteten. Ewald, der Fingerfertige, hämmerte auf viele, viele Tasten und entlockte so seinem Instrument die tollsten Töne. Gerd, der Quirlige, wirbelte verschiedenste Stöckchen durch die Luft und brachte eine ganze Reihe von Trommeln und sonstigem zum Klingen. Wolfram, der Einfühlsame, zupfte Welt vergessen auf seinem Bass und beglückte mit einem ganz besonderen Klangerlebnis. Franz, der Begnadete, rundete das Ganze mit seinem Einsatz auf den diversen Blasinstrumenten ab und entführte – vor allem mit seinem Trompetensolo – in eine Welt, die alle auf Klangwolken durch den musikalischen Himmel schweben ließ.

Für den reibungslosen Ablauf ihres Liedvortrages hatten die drei Musikanten viele Knappen dabei, die es ihnen ermöglichten, sich voll auf ihre musikalischen Darbietungen zu konzentrieren. Ein ganz besonderer Jüngling war der liebevoll genannte „Das-Lied-ist-zwar-noch-nicht-fertig-aber-Deine-Gitarre-will-ich-jetzt-schon-haben“ –Mann, der nicht nur die Instrumente seiner Meister versorgte, sondern auch die Herzen vieler anwesenden Burgfräuleins im Sturme eroberte und die bei einem Blick aus seinen Augen dahin schmachteten, weshalb sich auch Roland dazu entschlossen hatte, seine ihm Angetraute daheim im fernen Lande zu lassen. Damit die Sänger mit ihrer wunderbaren Musik weit über die Grenzen ihrer Heimat bekannt wurden und blieben, dafür sorgten zwei lustige Marketender (Eva und Markus) mit einem kleinen Marktstand, an dem sich die begeisterte Schar mit allen möglichen Erinnerungen eindecken konnte.

Mitten unter den jung gebliebenen und bereits erfahrenen Zuhörern haben sich aber auch viele junge Burschen und zierliche Fräuleins eingefunden, die andächtig und ehrfürchtig, aber auch mitsingend und sich wie wild verrenkend den Klängen lauschten. Andere wiederum hatten ihre Hofmaler mit, die – von Merlin in kleine Kästen verbannt – die Geschehnisses dieser denkwürdigen Nacht für die Nachwelt aufzeichneten. Wieder einmal hatte es sich gezeigt, dass diese Musik alle erreichte und in die Annalen eingehen würde. Es hatte gebrodelt wie ein kurz vorm Ausbruch stehender Vulkan, das Feuer brannte lichterloh und weit sichtbar, die durch die Töne hervorgerufenen Gefühle waren bis in die Zehenspitzen spürbar und eine berauschende Nacht blieb für ewig unvergessen.

Die fünf wundersamen Freunde haben sich dann noch kurz zusammen getan und gemeinsam für ein paar Minuten die letzten Stunden vor ihren inneren Augen vorbei gleiten lassen. Dann haben sie glücklich und beseelt den anstrengenden Heimweg wieder angetreten, mit dem Gedanken, dass sie in einiger Zeit sich wieder zusammen finden würden, um diesen Minnesängern ihre Referenz zu erweisen.

Hofschreiberling Riky von der Burg Immergrün zu Graetz

Mürz zu Schlag, am 4. Tage des 2. Monats, anno 05

PS: Ich habe mir gedacht, da über die Lieder und den Verlauf der einzelnen Konzerte schon so viel geschrieben wurde, wäre einmal ein etwas anderer Bericht vielleicht ganz lustig. Ich glaube, dass man trotzdem herauslesen kann, wie sehr es mir gefallen hat. Es war wieder einmal fantastisch, der kleine Rahmen in der Sporthalle war schon eine Reise nach Mürzzuschlag wert.

LG Riky

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