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Nachtzug nach Lissabon

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AutorBeitrag
Riky



761 Beiträge
15.06.2008 14:31:23

Es gibt Bücher, die sind unterhaltsam, kurzweilig, spannend und verleiten mich, die Nacht durchzulesen. Ich kann nicht aufhören, muss so schnell wie möglich das Ende erfahren. Bei jeder Seite, die ich umblättere, kribbelt es mehr in meinem Bauch, wie mag die Geschichte wohl ausgehen?

Dann gibt es Bücher, in denen ich gerne mal blättere, ab und zu ein Kapitel lese und dann wieder auf die Seite lege, aber nicht weit weg, sondern in meiner Nähe behalte, weil ich es sonst vermissen würde. Das kann mal ein schöner Bildband, eine Reise- oder Stadtbeschreibung, ein witziger Ratgeber oder eine Gedichtsammlung sein.

… und dann sind da noch die besonderen Kleinode, die Bücher, die sich mir in mein Gedächtnis brennen und von dort nicht mehr verschwinden. Dabei kann es sich um eine Liebesgeschichte, um ein Abenteuer, um eine Sci-Fi-Geschichte oder um einen Gedichtband handeln, vielleicht auch um ein Booklet zu einer wunderbaren CD.

… so ein Kleinod ist das Buch:

Nachtzug nach Lissabon

von

Pascal Mercier


Mercier hat da ein einzigartiges Werk geschaffen, da reiht sich Wort an Wort zu einem sprachlichen Höheflug. Wörter, die nicht nur das Blatt Papier füllen, sondern die berühren, die in einem eine Seite zum Klingen bringen, die einem alles um sich herum vergessen lassen. Wort für Wort, Satz für Satz lasse ich mir „auf der Zunge zergehen“, genieße jede Silbe, tauche hinab in ein Reich voller wunderbarer Gedanken und geistiger Bilder. Jede Seite wird mit Vorfreude umgeblättert, fast ehrfürchtig, einerseits fiebere ich dem Ende entgegen und anderseits hoffe ich, es möge nie eine letzte Silbe geben. Kein Absatz wird übersprungen, manche Sätze werden wie bei einem Lieblingssong wieder und wieder gierig aufgesaugt, mal laut vorgelesen, um diese Sprache auch hören zu können.

Kurz zum Inhalt: da gibt es einen Professor, der an einem Gymnasium Latein, Griechisch und Hebräisch lehrt, für den diese Sprachen alles in seinem Leben sind, der Tag für Tag in die Schule geht, um diese Sprachen seinen Schülern beizubringen, das ist sein ganzer Lebensinhalt, daran ist seine Ehe zerbrochen. Dann plötzlich ein Begegnung, die alles verändert, ein paar Wörter in einer für ihn fremden Sprache, der Klang dieser Sprache lässt ihn nicht mehr los. Ein Buch, das ihm in die Hände fällt, dessen Inhalt er mühsam versucht zu entziffern, lässt ihn auf eine abenteuerliche Reise gehen. Er setzt sich in den Nachtzug und fährt nach Lissabon. Auf der Suche nach dem Autor dieses Buches lernt er nicht nur die Personen rund um diesen besonderen Mann, sondern auch sich selbst kennen.

Ich habe begeistert diese Reise mitverfolgt, in Gedanken und Bildern. Zu gerne wäre ich selbst in den Zug gestiegen und hätte mich auf eine Fahrt ins Ungewisse begeben, um aus den Zwängen des täglichen Lebens auszubrechen und wieder die unbändige Freiheit zu spüren, Neues auszuprobieren und zu erfahren. Vielleicht eines Tages …


LG Riky

Vielleicht ist heute unser letzter Tag.