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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Austropop malSTS  

   Ausgabe 48; 6.12. 07, Martin Perkmann, in Südtirol
   hinzugefügt am 13.12.2007  von suedtirolerin

"Irgendwo läuft immer Fürstenfeld." Es war ihr erster Erfolgshit und ist nach über 30 Jahren noch immer ein Partykracher. STS steigerte sich über die Jahre hinweg und wurde zur österreichischen Legende. IN SÜDTIROL hat in einem Gespräch mit dem Bandmitglied Günter Timischl herausgefunden, was die Gruppe STS so einzigartig macht.

IS: Sie kommen am 9. Dezember mit STS nach Bozen...

GT:...ja, und wir freuen uns schon sehr darauf. Wir sind bei jeder Tour zu Gast in Bozen, und es ist immer wieder etwas Besonderes, in Südtirol zu spielen. Sie müssen wissen, wir lieben Südtirol.

IS: Was macht denn den Reiz des Landes für Sie aus?

GT: Besonders die Landschaft begeistert mich. Ich persönlich verbinde auch etwas Nostalgisches mit Südtirol. Schon früher, das heißt in vorsintflutlichen Zeiten, habe ich immer wieder mit einer Gruppe namens "Magic" in Südtirol gespielt. Was mich auch damals schon immer beeindruckt hat, war die Freundlichkeit der Menschen. Außerdem ist es in Südtirol fünf Grad wärmer als bei uns und man fühlt sich schon eindeutig im Süden. Wir sind Orte wie Fürstenfeld gewöhnt, und wenn dort der Ostwind pfeift, herrschen klimatische Verhältnisse wie in Moskau. Das soll aber nicht heißen, dass ich unsere Gegend in der Steiermark nicht mag, wir schreiben nicht umsonst so viele Lieder darüber.

IS: Wenn Sie heute in die Zukunft blicken, wo sehen Sie sich in zehn Jahren, gibt es STS dann immer noch?

GT: Wir sagen immer STS wird es so lange geben, bis einer von uns tot umfällt - oder wie man bei uns sagen würde "es Bankl reißt". Nachdem wir keine Band sind, die jedes Jahr eine Unzahl von Auftritten hat, verschaffen wir uns dadurch immer wieder Ruhephasen. Natürlich ist alles auch eine Frage der Gesundheit. Wir sind inzwischen alle drei in einem Alter, in dem man doch vermehrt darauf achten und mit allen Dingen rechnen sollte. Solange wir Erfolg haben, und solange uns die Leute mögen, werden wir weitermachen.

IS: In Ihren Texten arbeiten Sie immer wieder gesellschaftskritische und politische Themen auf. Kürzlich wurde die Single "Das Ende" wegen zu kritischer Zeilen von einigen Radiosendern sogar boykottiert. Ist es Aufgabe der Musik, Statements zu setzen?

GT: Ja, natürlich! Wir hatten immer wieder Songs dabei, die keine Wohlfühlfaktoren hatten. In der jetzigen Zeit scheint es so, dass alles Spass machen muss, alles muss fröhlich sein und Partylaune machen, jedes Interview muss witzig sein... und irgendwie nervt das. Es kommt so rüber, als ob uns jemand eine gewisse Ernsthaftigkeit streitig machen wollte.

IS: ...schließlich kann man nicht sein Leben lang im Bierzelt "Fürstenfeld" spielen...

GT: Genauso ist es. Und dabei ist "Fürstenfeld" ja eigentlich gar kein Bierzeltlied, es ist vielmehr zu einem geworden. Wenn man es etwas genauer betrachtet, sieht man, dass es ein sehr "angriffiges" Lied ist und zwar über den Wasserkopf Wien. Nicht umsonst sind wir damals über dieses Lied berühmt geworden, was uns aber wie man sieht, in keiner Weise geschadet hat.

IS: Betrachtet man die österreichische Musikszene, fällt auf, dass es durchaus eine neue Generation österreichischer Musiker und Bands gibt - nicht zuletzt durch die Casting-Show "Starmania". Hätte es Starmania vor 30 Jahren gegeben, hätten Sie sich beworben?

GT: Sicher nicht! Natürlich habe auch ich als Bursch an Wettbewerben teilgenommen und ich war auch recht erfolgreich. Ich habe aber erlebt, dass alles bald in eine Schulterklopferei ausartet, ohne dass ansonsten etwas weitergeht. Viele Leute lehnen sich gern bei dir an und können dir doch nicht weiterhelfen. Deshalb bin ich der Meinung, dass man sich schlussendlich doch über den Proberaum und die Konzerte nach oben spielen muss.

IS: Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung der österreichischen Musikszene also ein?

GT: Wir sind ja die alten Österreicher. Die neuen Österreicher klingen wie die neuen Deutschen. Die einzig, die eine Ausnahme darstellen könnte, ist Christina Stürmer. Aber auch die wird in Wirklichkeit immer deutscher, was natürlich mit dem deutschen Markt zusammenhängt. Uns bleibt nichts anderes als das zu akzeptieren. Okay - aber ehrlich finde ich das nicht. Zu unserer Zeit hat es noch viel mehr Österreichisches gegeben.

IS: Sie singen Ihre Lieder nach wie vor in der steirischen Mundart. Fällt Ihnen auch im täglichen Sprachgebrauch auf, dass das "Deutsche" zunehmend an Einfluss gewinnt?

GT: Ich erlebe es immer wieder bei meinen Enkelkindern. Die sagen nicht mehr Servus oder Pfiati - die sagen Tschüss! Und das ist einfach so, die kennen es nicht mehr anders. Einem Alt-Österreicher wie mir tut das schon etwa weh, dass diese warme Sprache, dieser Dialekt nicht mehr weitergepflegt wird, und alles so modisch neudeutsch klingen muss. Wir fühlen uns in der Mundart zu Hause. Ein Dialekt vermittelt Wärme und Verbundenheit und ich hoffe, dass dieses Gefühl über unsere Texte und unsere Lieder bei den Menschen ankommt.