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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Und irgendwann sind sie dann fort  

   30.11.2011, Stephan Kabosch, Abendzeitung
   hinzugefügt am 30.10.2011  von Schweizi

STS in der Münchner Olympiahalle – eine sentimentale Reise durch 30 Jahre Austropop mit verblüffend starker Zeitlosigkeit.

Sie singen vom „Großvater“, dem sie noch so viel zu sagen hätten. Dabei sind auch ihre eigenen Haare grau und weiß geworden. Aber die drei älteren Herren Steinbäcker, Schiffkowitz und Timischl (Durchschnittsalter 62 Jahre), die gleich am Anfang ihres Konzerts keinen Zweifel daran lassen, dass „das Feuer noch so lichterloh brennt wie früher“, sie können mit dem Elan jeder Boygroup mithalten. Und auch ihre Musik bleib anscheinend ewig jung. Nicht nur ihre Wiesn-Hymne „Fürstenfeld“.

Dass die drei Steirer alles andere sind als eine Bierzeltband, dass ihre besten Songs viel tief gehender sind als „Fürstenfeld“, dass sie eben auch die nachdenklicheren Töne, die sanfteren Klänge beherrschen und begnadete Vollblutmusiker sind, das war Freitag- und Samstagabend in der zweimal ausverkauften Münchner Olympiahalle zu spüren.

Dort nahmen STS ein mit ihnen gereiftes, aber zu fast gleichen Teilen überraschend auch ein deutlich jüngeres Publikum mit auf eine Zeitreise durch die vergangenen drei Jahrzehnte: mit Gefühls-Hits wie „Wunder meiner Seligkeit“, „Mach' die Aug'n zu“, „Zeig' mir dein Himmel“, einer unter die Haut gehenden Interpretation von „Großvater“, mit ihren bekannten Beatles-Adaptionen wie ihrem ersten Hit „Da kummt die Sun“ (von „Here comes the sun). Bei diesen Songs, diesem Stimmungsorkan nach der Pause bebte die Olympiahalle.

Dass aus einer sentimental journey kein abgeklatschter Nostalgie-Trip wurde, lag vor allem an der nahezu erschreckenden Aktualität von bis zu drei Jahrzehnten alten Texten. 2011, das Jahr der arabischen Revolution („Auf a Wort – Freiheit“), ein weiteres Jahr des Globalisierungs-Wahns („In unserer Hektomatik-Welt, draht si' alles nur um Macht und Geld“), 2011, das Jahr der Milliardenhilfen für Griechenland („Und irgendwann bleib i dann dort“), da hört man diese alten Songs mit anderen Ohren.

STS brauchen auch auf ihrer angeblichen Abschiedstour (oder ist das doch nur ein Gerücht?) keine große Bühnenshow, kein aufwändiges Entertainment. In ihrem Rücken haben sie eine starke, eine professionelle Band. Aber am schönsten wird es immer dann, wenn die drei allein sind mit ihren Akustikgitarren.

Ob mit oder ohne Band: Steinbäcker, Schiffkowitz und Timischl sind authentisch, ehrlich und eben nach wie vor zeitlos. Es wird etwas fehlen, wenn die drei Herren irgendwann tatsächlich „für immer fortgehen“ als STS – und nur noch „Fürstenfeld“ bleibt.