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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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   11.12.2011, Bernd Hecke, Nina Müller, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 11.12.2011  von ursula

Schiffkowitz und Steinbäcker vor dem Grazer Tour-Finale von STS über Heimat, ihren Abschied und wie es weitergeht

Durchforstet man die Archive sieht man, Interviews mit STS sind Mangelware.

SCHIFFKOWITZ: Ja, weil wir es irgendwie von Anfang an geschafft haben, unser Privatleben aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Und deshalb geben wir eigentlich nur Interviews, wenn zur Musik etwas zu sagen ist, zu einer Tournee oder CDs – und die gibt es halt nicht alle halben Jahre.

Aber das ist nicht Teil Eurer Marketingstrategie, euch rar zu machen?

SCHIFFKOWITZ: Nein, gar nicht. Es ist nur so, dass die Privatsachen, die man in einem Interview preisgeben kann, nicht interessant sind und die, die interessant sind, die gibt man nicht preis.

Das heißt, es hat keinen Sinn, hier nachzuhaken?

<="" strong<="" wenig.<="" p="">

Ihr seid unter den wenigen ganz Großen im österreichischen Musikgeschäft, und das, ohne die Medienorgel bedienen zu müssen. Ja, vom Radio werdet Ihr sogar ignoriert. Was braucht es, um trotzdem so einen Erfolg über Jahrzehnte zu haben?

STEINBÄCKER: Wir wissen das eigentlich nicht. Aber es muss wohl eine gewisse Qualität da sein und eine Intelligenz, also eher eine Feinheit, um mit Themen umzugehen, die die Menschen erreichen – und zwar über mehrere Generationen. Wir haben das auch auf unserer Tournee wieder gesehen. Wir haben ja in der Olympia-Halle in München vor 23.000 Menschen aus drei Generationen von 10 bis 70 Jahre gespielt, sie zwei mal hintereinander brettleben ausverkauft. Das hat Tina Turner drei Mal hintereinander und Grönemayer auch nur zwei Mal hintereinander geschafft.

SCHIFFKOWITZ: Da passieren dann lustige Dinge, dass in der ersten Reihe ein Zehnjähriger Wort für Wort mit Begeisterung "i werd kalt und immer kälter, i werd abgebrüht und älter" mitgesungen (lacht) ...

Was ist also das Erfolgsrezept?

STEINBÄCKER: Die Arbeit muss stimmen, und was vielleicht - pragmatisch betrachtet - stimmt: Wir haben uns nicht überpräsentiert. Wir haben uns immer Zeit gelassen zwischen den Produktionen und den Tourneen. Das haben wir in den letzten zehn Jahren nur alle drei Jahre getan.

Und das ist Strategie?

SCHIFFKOWITZ: Nein, das hat sich so ergeben. Wir haben eine Zeit lang irrsinnig viel gespielt und waren ausgepowert, ich hab keine Lust mehr gehabt. Da ist uns die Luft ausgegangen, dann haben wir zwei Jahre Pause gemacht. Und alle Insider haben gesagt, da könnt's glei aufhören, weil ihr kommt's nie wieder zurück. Das erste Mal haben sie das vor 20 Jahren gesagt, "das ist euer kommerzieller Tod" und das Gegenteil war der Fall.

STEINBÄCKER: Ich hab die Grüße der beratenden Freunde öfter erlebt. Ich hab einmal bei der EAV gesungen, und da haben alle gesagt, das ist ja ein lustiges Kapserltheater, aber ihr werdet's nie Erfolg haben. Und dann haben wir als STS begonnen und dann haben die gesagt, das sind ja ganz nette Liedchen, aber ...

SCHIFFKOWITZ ... damit werd's nie ein Geld verdienen, womit sie aber eh sechs Jahre lang recht gehabt haben (lacht).

STEINBÄCKER: Das ist halt schon ein bisschen österreichisch, das erst dann etwas akzeptiert wird, wenn es wie ein Pfosten dasteht.

SCHIFFKOWITZ: Da muss man schon sagen, dass wir was gemacht habe, was noch nie einer gemacht hat.

Was war das Einzigartige?

SCHIFFKOWITZ: Drei Gitarren, drei Leadstimmen und der dreistimmige Gesang, das hat es bei uns vorher ja so nicht gegeben.

STEINBÄCKER: International haben das nur Crosby, Stills und Nash so gemacht. Wir sind ja alle eng mit diesen englisch-amerikanischen Wurzeln versehen und kommen nicht aus der heimischen Musiktradition, wie das ja der Hubert von Goisern eher macht.

Aber die hat man bei Fürstenfeld schon auch herausgehört.

SCHIFFKOWITZ: Ja, das war aber eher ironisch gemeint.

Ist aber nicht so angekommen ...

SCHIFFKOWITZ: Na, Gott sei Dank (lacht).

Da wären wir wieder in München: Wie geht es einem da, wenn Fürstenfeld zum Oktoberfesthit mit Umtata und Maßkrug-Geklirre geworden ist?

SCHIFFKOWITZ: Wenn du ein Lied herausbringst, dann gehört es nicht mehr dir. Am Anfang war ich leicht konsterniert, aber dann hab ich mir gedacht, warum eigentlich nicht. Was mich viel mehr gestört hat, dass wir am Anfang wirklich Beifall von der falschen Seite bekommen haben, von der Blut und Boden-Faktion. Und da hab ich mich dann äußerst unwohl gefühlt.

STEINBÄCKER: Aber das hat sich schnell erledigt, nachdem wir einige Berührungsversuche schroff abgewehrt haben. Und es ist ja ein Irrglaube, dass Fürstenfeld nur wegen des Countrytouches zum Oktoberfesthit geworde ist. Weil Who the Fuck is Alice ist doch genauso einer geworden. Die haben einfach gemerkt, dass das bei den Leuten reingeht.

Bös gesagt, erfüllen aber beide den Tatbestand, dass man den Refrain gut grölen kann. Damit kann man also leben, dass man einen Hit schreibt, oder?

SCHIFFKOWITZ: Oh ja. Aber das passiert dir ja, das war ja nicht geplant. Ich wollte das ja sogar als Single verhindern, weil ich gesagt hab, das ist unkommerziell

STEINBÄCKER: Da ist er ein Profi. Sagt er, das ist unkommerziell, musst du das rausbringen, dann wird?s bestimmt ein Treffer.

Bleiben wir noch kurz bei der Blut und Boden-Fraktion, manchmal geht Ihr ja eine Gratwanderugn zwischen Patriotismus und Nestbeschmutzung. Es gibt viele kritische Töne, aber auch "Heimatlieder" wie etwa Gert Steinbäckers Solo-Hymne "Steiermark". Wie ist Euer Zugang zu Heimat?

STEINBÄCKER: In dem Text sage ich, dass ich den Begriff akzeptiere unter ganz bestimmten Bedingungen. Und wenn sie bei den 99ers Steiermark spielen und die Halle grölt Steiermark, das ist eine tolle Sache. Aber, grundsätzlich, ginge es ins rechte Eck, dann ... aber ich glaube, dass das ja nie passiert ist.

Nein, nein. Aber wie geht es Ihnen nun mit dem Begriff Heimat?

STEINBÄCKER: Ich habe irgendwann einmal das totale Verneinen des Begriffs, das mir als rebellischen Roch'n'Roller anheim war, hinterfragt und bin drauf gekommen, das stimmt ja alles nicht: Ich komme dann ja immer wieder gerne her, und je älter man wird, umso wichtiger werden die Freunde. Und ich hab das Lied so mit 40 Jahren geschrieben. Das war damals meine Auseinandersetzung mit der Heimat. Und das erste Mal habe ich das in "Irgendwann bleib i dann durt" thematisiert.

Mit der fremden Heimat Griechenland?

STEINBÄCKER: Ja, aber das ist ja das Gleiche, das ist auch Heimat.

Dort singen sie jetzt aber eher "Irgendwann muss i do furt" - wie geht es Ihnen mit Griechenland?

STEINBÄCKER: Ja, die Jungen singen das schon so. Ich war im Herbst das letzte Mal unten und habe nur konstatiert, dass eine extrem schlechte Stimmung vorherrscht. Die muss sich ändern, sonst steht und steckt alles. Das ist mein Haupteindruck.

Die Griechen sind ja in der Krise die Paria Europas geworden, wie sehen sie das?

STEINBÄCKER: Das ist fürchterlich. Ich habe ja auch Freunde im Land, weil die Belastungen so groß sind. Ich erzähle nur eine Geschichte von einem befreundeten Ehepaar. Die sind Pensionisten und haben sich immer ausgerechnet, dass sie ihren Lebensabend in ihrem Haus verbringen werden. Das geht jetzt nicht, weil die Pensionen um 30 Prozent gekürzt und die Grundsteuern um 30 Prozent angehoben worden sind. Jetzt müssen sie verkaufen. Das sind redliche Leute, er Arzt, sie hat in der Bibliothek gearbeitet, die haben immer Steuern bezahlt und jetzt baden diese Leute das alles aus.

Und wie sieht es mit der Heimatstadt Graz aus?

SCHIFFKOWITZ: Mit Heimat habe ich ja meine Schwierigkeiten, ich kann mit dem Begriff nichts anfangen – das hab ich ja in meinem Song "Heimat" thematisiert, da heißt es: "Frag mi net was Heimat ist, i kann dir des net sogn, i was nur für mi, ma kann mehr als eine haben." I bin etwa seit 30 Jahr in der gleichen Bucht auf Kreta, das ist genauso Heimat für mi, wie Graz.

Und wie ist die Einordnung für die Grazer Heimat – ein Plus und ein Minus?

SCHIFFKOWITZ: Da müsste ich sehr böse werden.

Da gibt es keine Tabus ...

STEINBÄCKER: Dann kriegst aber kein Grundstückl nachher (lacht) ...

< strong=""> Also, so lange Graz solche Sumpfblüten wie den Landesrat Gerhard Kurzmann oder die Nationalratsabgeordnete Susanne Winter hervorbringt, wird mir diese Heimat vergällt. Aber Gott sei Danke gibt es viele andere Leute hier, die das wieder wettmachen und mich gerne hier sein lassen.<>

STEINBÄCKER: So was von weise, da fällt mir ja gar nichts mehr ein.

Na, dann vielleicht die Liebenserklärung?

STEINBÄCKER: Ich mach es pragmatisch: Ich mag sehr die Größe, die dich in der Stadt leben lassen, aber irgendwie ist man auch gleich am Land. Das schätze ich sehr. Die politische Einschätzung meines Kollegen teile ich natürlich zur Gänze, aber das hast ja eh überall.

Und abgesehen von den "Verengern", wie nehmt Ihr Graz wahr. Das war ja einmal eine sehr verzopfte, (klein-)bürgerliche Stadt. Hat sich da etwas verändert?

SCHIFFKOWITZ: Ja, es hat sich schon etwas verändert, mit etwa vor Jahrzehnten das Forum Stadtpark, der steirische herbst ...

Das ist aber halt jetzt alles schon mehr als 40 Jahre her ...

SCHIFFKOWITZ: Ja, das ist halt auch schon etabliert.

Pulsiert Graz heute auch noch?

STEINBÄCKER: Ja, wart, ich glaub, dass das schon auch an der Größe liegt. Das ist der Nachteil, dass in einer gewissen Größenordnung die einzelnen Interessengruppen einfach zu klein sind, als dass man die ganze Zeit etwas in die Gänge bringen kann. Hin- und wieder passiert eh schon etwas ganz interessantes.

Was war das letzte?

<="" strong="">Naja, die letzte Aufsehen erregende war natürlich die Kulturhauptstadt, die hat 2003 einen ordentlich Wind gemacht.

SCHIFFKOWITZ: Es ist nur bemerkenswert, dass Graz so wenig daraus gemacht hat, dass da seither nicht mehr internationale Veranstaltungen herholen konnte.

Es sollte also wieder einmal etwas passieren?

STEINBÄCKER: Ja, das teil ich.

SCHIFFKOWITZ: Ja, man hat das Gefühl gehabt, dass man am 31. Dezember 2003 die Stafette übergeben hat und gesagt hat, das war's. Aber schon bei der Eröffnung war das merkwürdig: Graz wird Kulturhauptstadt Europas und es spielt ein japanisches Trommelensemble. Das ist ja so, wie wenn Tokyo Kulturhauptstadt Asiens wird und der Ambros singt.

<="" strong="">Das liegt auch an der Größe, dass man nicht das Selbstbewusstsein hat, zu sagen, wir machen es selber. So hat man sich mit dem Wolfgang Lorenz einen Mann aus Wien als 2003-Intendant geholt, der Verbindungen zum Fernsehen hat, und man hat geglaubt, der kennt sich wahrscheinlich aus. Es hat ja damals die Diskussion gegeben, mehr heimische Künstler einzubinden. Anfangs, bevor Lorenz sich voll eingeschaltet hat, sind wir ja sogar gefragt worden, ob wir vielleicht ..., aber das hat sich dann zerschlagen.

Also meint Ihr, das ist ein bisschen provinziell, wenn man nicht selbstbewusst zeigt, was man selbst kann?

SCHIFFKOWITZ: Ein bissl? Das ist nur provinziell, wenn man sagt, alles, was von uns kommt, genügt nicht.

STEINBÄCKER: Ja und das ist schon so ein Kleinstadt-Phänomen, Wien würde als echte Kulturstadt wohl die Philharmoniker aufbieten, oder?

STEINBÄCKER: Ja, Wien fahrt schon ein anderes Programm. Das ist aber klar, das ist eine Frage der Größe. Das absolute Nichtkapieren von irgendwelchen Feinheiten ist verbunden mit dem Abtransport des Uhrturmschattens nach Seiersberg. Das war so elegant, dass du im Hintergrund die mögliche schwarze Seite des Wahrzeichens, der Stadt siehst. Wenn man es wegreißt, was ich versteh, dann muss es weg. Aber ihn doch nicht in ein Einkaufszentrum bringen.

Bleiben wir bei heimischen Größen. Hubert von Goisern ist gerade wieder ganz groß da.

STEINBÄCKER: Ja, nach sehr langer Durststrecke.

Woran liegt es, dass die Alten so ziehen ...

STEINBÄCKER: Das ist ja nichts Österreichisches. Das gilt ja auch für einen Clapton bis zum ...

Liegt es daran, weil nur noch die Alten Cds kaufen und die Jungen illegal downloaden?

STEINBÄCKER: Nein, das hat schon auch mit der Form der Darbietung zu tun. Weil bei uns kann von Jung bis Alt, jeder unsere Lieder mitsingen. Hingegen beim Sido, wenn der rappt, da musst du schon üben. Das hat seine Berechtigung, ist aber sehr kurzfristig modeabhängig. Und die Einzige, die in Österreich bemerkbar nachgekommen ist, die auch langfristig bestehen könnte, war die Christina Stürmer.

Aber da haben wir auch schon länger nichts mehr gehört und sie ist ein Casting-Produkt.

STEINBÄCKER: Ich glaube, sie hätte es auch so geschafft. Aber unsere Radiolandschaft macht es halt auch schwer, dass Neue nachkommen. Ö3 spielt maximal hochdeutsch und ist dann ganz indigniert, wenn der Goisern einen derartigen Biss kriegt, dass sie gar nicht mehr anders können und ihn spielen müssen. Jetzt spielen sie STS auch wieder bei Ö3 hab ich gehört, wir warten jetzt noch zwei Wochen, bis die Antenne Steiermark uns auch wieder spielt.

Interessant ist ja, dass Servus TV versucht – bis zum Großglockner Werbe-Jingle -, Heimat zu zeigen, ohne dass es gleich peinlich oder provinziell wirkt. Und man hat das Gefühl erst jetzt bemüht sich der ORF das auch wieder zu tun.

STEINBÄCKER: Ja, das ist toll, was der Herr Mateschitz da macht. Da kann ich nur applaudieren.

Bleiben wir noch einmal bei den "Großen", die es im Dialekt versuchen. Es gibt da auch einen Grazer, der nur einen Hügel von hier in St. Peter aufgewachsen ist.

STEINBÄCKER: Der Gablier, oder wer?

Ja, genau. Wie geht es euch damit?

STEINBÄCKER: Es gibt so viele erfolgreiche Schlagersänger, da gehört er dazu.

Welche Wertigkeit hat seine Musik?

SCHIFFKOWITZ: Für mich überhaupt keine.

Wenn ich noch einmal bös' bin, würde ich sagen, der geht gut, weil man seine Refrains auch gut mitgrölen kann ...

STEINBÄCKER: Nein, da würde ich aufpassen. Aber es gibt ja in der volkstümlichen Musik - und er ist da ja von der rockigeren Seite -, sehr viele Leute, die erfolgreich sind. Das interessiert mich nicht, aber die sollen erfolgreich sein. Da hab ich überhaupt kein Problem damit.

SCHIFFKOWITZ: Und ich kann noch weniger dazu sagen, weil ich kenn' den Gabalier nur von Erzählungen vom Gert.

Auch Ambros geht wieder besser, er spielt heuer sogar ein Zusatzkonzert in Graz.

STEINBÄCKER: Und das freut mich, weil der Wolfgang ist ja ein guter Freund von uns. Und er, aber auch der Udo Lindenberg waren für mich die ersten zwei, bei denen ich gedacht habe, hoppla da geht was. Denn die Lieder, die man damals gespielt hat, waren entweder blöder Schlager, oder englisch. Aber die sind plötzlich auf Dialekt im Radio gelaufen, da hab ich gedacht, das kann ich auch.

SCHIFFKOWITZ: Ich hab bei Fürstenfeld in einer Jukebox zum ersten Mal den Hofer gehört. Da hab ich mir gedacht, bist du deppert, das geht, das geht ja wirklich. Er war damit sicher ein Türöffner.

Wenn wir schon bei Kollegen sind. Wie ist es euch mit der Meldung über Ludwig Hirsch gegangen?

SCHIFFKOWITZ: Schrecklich, Schockstarre.

Habt Ihr viel mit ihm zu tun gehabt?

STEINBÄCKER: Wir hatten das gleiche Management und haben uns natürlich öfter getroffen.

SCHFFKOWITZ: Ich war eine Zeitlang sehr gut befreundet mit ihm, bis er sich völlig zurückgezogen hat. Das ist fürchterlich.

Zurück zu Euren Konzerten, die ihr als Abschiedstournee von den großen Bühnen bezeichnet habt. Ist der Abschied so endgültig wie bei Tina Turners erster von sieben Abschiedstourneen?

SCHIFFKOWITZ: Wir haben gesagt, wir machen diese als letzte große Monstertournee in den großen Hallen. Das soll aber nicht missverstanden werden, dass STS sich jetzt auflöst. Wir hören auch nicht auf, miteinander zu spielen. Wir haben uns nur jetzt einmal entschlossen, dass es die letzte große Tournee ist.

STEINBÄCKER: Was jetzt nicht einmal mit der Bühnengröße zu tun hat.

Also ihr wollt nur nicht mehr so eine ausgedehnte Tour machen? Habt Ihr die Sehnsucht zu dritt wieder wirklich einmal im kleinen, intimen Rahmen zu spielen?

SCHFFKOWITZ: Nein, wir haben das so lange und oft gemacht, das reicht uns.

STEINBÄCKER: Das geht schon allein deshalb nicht, weil die Leute sich dann düpiert fühlen. Wir haben etwa Finkenstein in Kärntnen abgelehnt. Denn, um die Fans zufrieden zu stellen, müssten wir 20 Mal spielen. Damit sie nicht zornig werden. Der kleine Keller könnte nur privat passieren.

Die Weihnachtskonzerte in Graz waren eine Bank. Wird es diese wieder geben?

SCHFFKOWITZ: Nein, weil das heißt ja nur durch Zufall Weinachtskonzert, weil die immer um die Zeit stattgefunden haben. Die waren ja immer der Abschluss der großen Tour.

Wird es eine neue CD geben?

STEINBÄCKER: Wir lassen uns alles offen.

Gibt es die Sehnsucht noch, brennt das Feuer noch, sind die Lieder schon im Schubladl?

STEINBÄCKER: Nein bei mir nicht, ich fang' erst dann zu arbeiten an, wenn es wirklich um etwas geht.

Aber ihr habt jetzt einmal drei neue Lieder herausgebracht?

STEINBÄCKER: Ja, drei neue auf einem Best-of-Sampler.

Die waren auch nicht im Schubladl?

STEINBÄCKER:

Im Fall von Schiffkowitz und Günter Timischl ist der Song neu, und in meinem Fall ist der Text neu und der Song ein bisschen älter, ist aber noch nie veröffentlicht worden.

Das klingt aber ein bisserl unromantisch, dass du nie ein Lied im Ladl hast. Da denkt man sich, es gibt den Moment, wo es drängt und wo man muss ... Und dann geht das nur, wenn es den Druck gibt?

STEINBÄCKER: Ja, ohne Druck mach' ich nichts. Ideen sammeln tu ich schon. Auf einem Diktiergerät mit dem Klavier oder im Singen, um die kurzen Ideen festzuhalten.

SCHFFKOWITZ: Und ich notiere mir das auf Zetteln, um das in mein Ideenheft zu übertragen, aber dann finde ich die Zetteln nicht. Ich war ja zehn Jahre Journalist, ich brauche auch die Deadline.

Wie ist das eigentlich mit der Freundschaft in der Band?

SCHFFKOWITZ: Zusammen Musik machen ist so intim und intensiv, das kann man eh nur machen, wenn man einander sehr gewogen ist. Also ich könnte das nicht anders machen, nicht so wie die Eagles, die einander hassen. Wenn ich sag', jetzt steht das Oaschloch neben mir auf der Bühne, das würd' ich keine fünf Minuten aushalten. Aber wir sind sehr lang im Studio, sehr lang auf der Bühne, auf engstem Raum und engster emotionalen Basis. Und dann bist einfach froh, wenn du den anderen eine Zeit lang nicht siehst.

STEINBÄCKER: Aber ich glaube eine Geheimnis von uns ist, dass wir sehr unterschiedliche Menschen sind. Und wenn wir uns treffen, beziehen wir die Kraft genau aus dem Umstand. Dass wir eben nicht zu viel miteinander zu tun hat. Interessante Reibungspunkte tauchen erst dadurch auf, dass man aus eine völlig anderen Welt kommt und dann gemeinsam zu arbeiten beginnt.

Es war als nie so, dass man gar nicht mehr miteinander konnte?

SCHIFFKOWITZ: Nein, denn ich würde uns ohne Wenn und Aber als Freunde bezeichnen.

STEINBÄCKER: Natürlich. Und zwei Punkte die wichtig sind, für Freundschaft. Dass man auf den anderen zählen kann, wenn man ein Problem hat. Und dass die Telefone offen sind, wenn man eine Frage hat, zu jeder Zeit. Und das ist bei uns gegeben. Und da schließen wir auch den Kollegen Günter ein, auch wenn er heute nicht hier bei uns ist.

Also das Feuer brennt no immer?

SCHFFKOWITZ: Na, jetzt brennt es einmal bis zum Ende der Tournee.

Wie ist die Erfolgsbilanz der großen Tour, die nächste Woche in Graz ins Finale geht?

STEINBÄCKER: In Deutschland und Österreich war alles ausverkauft, das waren 120.000 Besucher auf rund 25 Konzerten. Das war mit Abstand die stärkste Tournee für uns.

Hat das mit dem Wort Abschied zu tun?

SCHFFKOWITZ: Das kann natürlich schon sein.

STEINBÄCKER: Und ein bisschen drängt sich schon der Satz auf: mehr geht net!

Gibt es einen Unterschied zwischen deutschen und österreichischen Fans?

STEINBÄCKER: Nein, aber es gibt bei Doppelkonzerten in einer Stadt oft ganz unterschiedliches Publikum.

Ist das dann, weil man selbst drauf schlecht ist?

SCHFFKOWITZ: Das ist eine Wechselwirkung.

Und wenn das Publikum schlecht drauf ist, hilft da die Routine?

SCHFFKOWITZ. Bist du deppert, wenn der Funke nicht überspringt, das ist zach, da kannst du die Routine vergessen. Da willst du auf deinem Sessel versinken. Das kostet Kraft, da ist das spielen doppelt so schwer.

Und wie geht es nach der besten Tour ever mit CD-Verkäufen?

STEINBÄCKER: Das war immer sehr gut, aber das wird natürlich immer weniger.

SCHIFFKOWITZ: Früher war Gold ja einmal 25.000 Stück, jetzt sind es nur noch 10.000.

STEINBÄCKER: Mit unserem neuen Sampler habe wir aber schon Gold.

Verändert das die Musik als solche, dass die Jungen vielfach keine Alben mehr kaufen sondern nur noch einzelne Songs runterladen?

STEINBÄCKER: Ja, das verändert natürlich alles. So eine Gruppe wie wir, könnte sich heute brausen gehen. Das kannst du vergessen. Weil für den Mainstream spielen die Radios heute nur noch eine Handvoll Songs und gehen auf Nummer sicher. Da hat nichts Anderes mehr Platz.