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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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sTs: Jenseits von Fürstenfeld  

   13.12.2011, Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten
   hinzugefügt am 13.12.2011  von lukas

STS sind gut wie gehabt. Und doch ist es anders: Das Trio absolviert seine letzte Konzerttour in großen Hallen – und gastierte dabei am Sonntag in Salzburg.

Alles wie gehabt. Gut so. Denn wer es, wie STS, versteht, in seiner Kunst nie zu schwächeln, der soll an ihr festhalten. Das kann dann auch das Publikum tun. Ein bisserl Sicherheit kann nicht schaden. Das steirische Liedermachertrio STS klingt beim Auftritt in der Salzburgarena im Prinzip wie vor 30 Jahren, als sie begonnen haben. Der Jubel ist garantiert – und auch seit Jahren derselbe. Da und dort zeigen sich stimmlich Bruchstellen bei Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Schiffkowitz. Nun sind die drei auch schon 59, 63 und 65 Jahre alt und die Bruchstellen in Leben und Stimme machen ein Alterswerk ja erst interessant.

Erst recht gilt das, wenn’s tatsächlich auf das Ende zugeht: Es soll die letzte große Tournee von STS sein, die sie am Sonntag nach Salzburg geführt hat.

Keine großen Hallen mehr

STS dementieren das nicht. Jedenfalls, sagen sie, ist es die letzte große und lange Tour. Sie endet am Samstag in Graz. 23 Konzerte werden STS dann gespielt haben, und groß im Sinn der Säle war die Tour jedenfalls. Gefüllt wurde unter anderem zwei Mal die Olympiahalle in München mit jeweils rund 12.000 Besuchern. Aber selbst das kennen STS seit Jahren. Mit solch großen Hallen soll nun Schluss sein. Kleinere Konzerte soll es aber auch künftig geben.

Womöglich lässt sich auf engerem Raum auch intensiver spüren, warum STS seit Jahrzehnten gut im Geschäft und ohne Verlust glaubwürdig geblieben sind. Inhaltlich verhandeln sie immer schon dieselben Themen, weil es für ihr Thema zwischen Gesellschaftskritik und persönlicher Befindlichkeit kein Ablaufdatum gibt. Sie berichten davon auf unprätentiöse Art, wie das gute Freunde tun, die man immer schon mag und an deren Eigenheiten man sich gewöhnt hat. Nur der Blick auf die Themen wurde ein anderer. „’s is die Zeit, das ändert die Zeit, das macht alles die Zeit“, heißt es in einem neuen Lied, das geschäftstüchtig zur Tour auf einem Best-of-Album erschien.

Musikalisch hat sich nichts geändert. STS waren niemals modisch. Sie tun, was sie immer taten und wie sie es immer taten. Sie agieren im besten Sinn altmodisch, wenn das Wort bedeutet, dass alte Tugenden genutzt werden: Zu feinen Melodien werden große Geschichten erzählt. Sie stehen also in einer jahrtausendealten Tradition, die mit Satyr begann. Sie verzichten dabei auch nach 30 Jahren auf jeden Schnickschnack. Gut, eine Band haben sie dabei, deren gleichförmige, solide Begleitung, eine leicht bekömmliche Kost, als verzichtbar auffällt, als sie tatsächlich fehlt.

Im zweiten Konzertteil wird die Band nämlich in eine kurze Pause geschickt. Da sitzen dann STS nur mit ihren Stimmen und Gitarren. Ohne Ballast lässt sich studieren, auf welches Kapital sie bauen können: dreistimmiger Harmoniegesang, wie ihn sonst im deutschsprachigen Popraum niemand beherrscht – und wie ihn im übrigen Popraum in der Kombination mit Sozialkritik und tief empfundener Poesie sonst nur eine Formation schafft(e): Crosby, Stills, Nash & Young.

Recht oft ist bei STS mittlerweile die Rede davon, dass die Zeit vergeht. Und das ist freilich keine Koketterie, sondern die Gewissheit um Vergänglichkeit.

Der Blick zurück, immer unsentimental. Betrifft nun – zum Abschluss des großen Tourens – auch die eigene Geschichte. „Out of Fürstenfeld“ auch ein neuer Song auf der Best-of-CD kann so als zentraler Angelpunkt des Konzerts verstanden werden.

Fürstenfeld ist keine Heimat

In dem Song, leicht rockig, liegt alles, was an STS gefeiert wird. Da ist die Formulierung einer unbehaglichen Ohnmacht in einem unterdrückenden System der Gleichmacherei: „Aufstehen in der Früh waschen im Pulk und Frühstück im Speisesaal . . .“ Und schon wächst innerer Widerstand: „. . . dann in die Schule wieder im Pulk in aller Früh is alles schon a Qual.“ Aus diesem Zustand des Unglücks wächst bei STS Sehnsucht und Freiheitsdrang: „Per Autostopp schon ein paar Tag und i bin mit jedem Kilometer weiter fort und jeder Kilometer weiter tut gut.“ Oder wie in einem anderen bejubelten Hit des Abends: „Irgendwann bleib i dann durt.“

Das „dort“ und „fort“ schwingt in vielen STS-Songs als wünschenswerter Zustand mit, als Traumland, in das auch das Publikum gern folgt. Und so verweist „Out of Fürstenfeld“ auch augenzwinkernd auf „Fürstenfeld“, dem zum Bierzeltschenkelklopfer verkommenen Hit der Band – und dem neben „Großvater“ am lautesten bejubelten Song beim letzten großen Auftritt in Salzburg. Fürstenfeld aber war nie der Zufluchtsort, als der er gern missverstanden wurde, sondern für STS immer ein Ort des Aufbruchs in ein langes Rocksongleben.

© SN/SW