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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Interview '98  

   1998, Autor unbekannt, Zeitung/Magazin unbekannt
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

WIE HABT IHR ZUEINANDER GEFUNDEN?

Schiffkowitz: Wir musizierten bei verschiedenen Gruppen, probeweise spielten wir bereits 1975 dreimal gemeinsam. Doch da war von einem Zusammengehen noch nicht die Rede. Erst 1978 war es so weit, wobei wir aber die ersten sechs Jahre als "Geheimtip" liefen, erst vor 14 Jahren tauchten wir ins mehr oder weniger grelle Licht der Öffentlichkeit.

WAS HABT IHR BERUFLICH GETRIEBEN, BEVOR ES STS GAB?

Schiffkowitz: Ich war Jounalist in Graz.

Timischl: Ich bin seit 1974 Musiker und mußte auch andere Jobs ausüben, um über die Runden zu kommen. Unter anderem LKW-Fahrer und Fensterputzer.

Steinbäcker: Ich hatte die Mittelschule in der sechsten Klasse wegen Desinteresse abgebrochen. Ich interessierte mich nicht für das, was die Lehrer wollten, sie interessierten sich nicht für mich. Bis zum 25.Lebensjahr habe ich in Deutschland alle möglichen Tätigkeiten ausgeübt, zum Beispiel Vorhangaufhänger. Eine Zeitlang war ich Mitglied der EAV. Wir gastierten in Hamburg, einmal saß bei einem unserer Auftritte sogar Otto Walkes an der Kassa.

WIE WAR DAS PUBLIKUMSINTERESSE FÜR STS IN DER ANFANGSZEIT?

Schiffkowitz: Ich erinnere mich an ein legendäres Wiener Konzert im Saal eines Gasthofes. "Zur Linde", glaube ich, hat der geheißen. Wir hatten exakt sieben Zuschauer. Unsere fünf Freunde von der EAV, einen steirischen Kollegen und seinen Vater, die gerade zufällig in Wien waren. Auf dem Plakat waren wir als "Folk-Rock-Gruppe aus der Steiermark" angekündigt. Da wär`ich auch nicht hingegangen. Wir spielten, davon gibt es ein Foto, in Wintermänteln, weil es so kalt war. Eine Kellnerin hatte Erbarmen und stellte uns einen Heizstrahler auf die Bühne.

DER GROSSE DURCHBRUCH GELANG MIT DEM HIT "FÜRSTENFELD", DEN IHR ENDE 1983 ERSTMALS GESUNGEN HABT....

Steinbäcker: Ja, aber interessanterweise gab es vorher noch "Da kummt die Sunn", eine deutschsprachige Version des Beatles-Songs "Here comes the sun". Die dazugehörige LP verkaufte sich aber nur schleppend, mehr als 1.000 Exemplare haben wir anfangs nicht abgesetzt, das Album wurde jedoch später ein Dauerrenner, und vor drei Jahren haben wir dafür Gold bekommen.

DER NÄCHSTE HIT WAR DAS ALBUM "GRENZENLOS"?

Steinbäcker: Davon verkauften wir allein in Österreich 240.000 Tonträger, das bedeutete Vierfach-Platin. "Grenzenlos" wurde unser erfolgreichstes Album. Insgesamt erreichten wir bis heute 23 Mal Edelmetall, Ich weiß das deshalb so genau, weil ich erst dieser Tage nachgezählt habe. Rückblickend gesehen, war das "Unernehmen" STS zu jener Zeit sehr kühn, denn damals war gerade die deutschsprachige "New Wave" total in, und auf einmal stellten sich drei Steirerbuam mit Akustikgitarren auf die Bühne ...

EIN "FANGSCHUSS" KOMMT HEUTE VON Ö3 ?

Schiffkowitz: Ja, österreichische Musik ist dort zur Zeit nicht gefragt, aus welchen Gründen auch immer. Sie sind halt so international - kritiklos und damit rückgratlos - orientiert, und vor lauter Internationalität merken sie gar nicht mehr, daß sie im tiefsten Provinzmief versinken.

Timischl: In Österreich gibt es über 80 Studios. Die können sich doch nicht alle auf einmal nur auf die Werbung stürzen.

Steinbäcker: Einer, der in Österreich über 40 ist, hat bei Ö3 kaum eine Chance. Das ist ein "numerus clausus", der dem Anschein nach für Engländer oder Amerikaner über 50 nicht gilt. Jedenfalls werd` ich nie dahinter kommen, warum die bei Ö3 unsere Musik auslöschen wollen. das wird mir immer ein Rätsel sein.

IHR SEID JETZT EURE EIGENEN PRODUZENTEN. WARUM?

Steinbäcker: Weil wir jetzt die nötige Erfahrung haben. Wir wissen genau, was wir wollen, und da wir drei sind, ist immer die nötige Kontrolle da.

GIBT ES BEI "VOLLE KRAFT" EINEN SOGENANNTEN "ROTEN FADEN"?

Steinbäcker: Das wäre Zufall, da wir alle einzeln schreiben und dann das Beste auswählen.

DA KOMMT´S ZU KEINEN REIBEREIEN?

Timischl: Der Idealzustand wäre, daß jeder vier Nummern auf einer CD hat, und verwunderlicherweise geht sich das meistens aus. Es ist jedenfalls noch nie vorgekommen, daß einer nur mit einem Lied vertreten war. Das hat schon das Ego verhindert.

HABT IHR VOR TOURNEEBEGINN NOCH WESENTLICHE TV-AUFTRITTE?

Schiffkowitz: Leider gibt es kaum entsprechende Sendungen. Man hat uns einen Auftritt mit alten Hits angeboten. Das ist genauso, wie wenn man den Rolling Stones bei Erscheinen ihres Albums "Bridges of Babylon" voschlägt, in Fernsehsendungen
"Satisfaction", "Jumpin Jack Flash" und "Angie" zu singen. Ich glaube, in diesem Fall hätte der TV-Redakteur, der das vorgeschlagen hätte, gar nicht zu Ende gesprochen, und schon wäre er von Mick Jagger erwürgt worden. Unser Fans würden nie verstehen, daß wir mit alten Songs kommen, wenn eine neue CD da ist. Wenn also so was Lächerliches an einen herangetragen wird, muß man konsequent sein und nein sagen. Genau das haben wir gemacht.