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Schiffkowitz & Schirmer
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Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Steinbäcker im SZ-Interview  

   03.11.2001, Jochen Temsch, Süd-Deutsche Zeitung
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

„Irgendwo läuft
immer Fürstenfeld“

STS, ihr Dauerhit – und die
neue Tournee durch Bayern

STS – drei Musiker machen sich rar. Neue Songs und Tourneen gibt es nur alle paar Jahre. Gemächlich pflegen die Steirer Dialekt- Rocker ihr Image als kommerz-

unempfindliche Liedermacher mit Botschaft – und das seit 23 Jahren. Durch ihre Heimweh-Hymne „Fürstenfeld“ wurden sie unsterblich. Mit einem Best-of-Programm sind Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Schiffkowitz im November unterwegs in Bayern. Beim SZ-Interview in einer Münchner Wirtschaft rutscht Steinbäcker in die Ecke der Sitzbank.

Gert Steinbäcker: Setzen wir uns ins Eck – Schutz vor der Welt.

SZ: Haben Sie den nötig?

Steinbäcker: Nicht wirklich.

SZ: Andererseits leben Sie zurückgezogen in Griechenland. Ist das keine Weltflucht?

Steinbäcker: Früher war das höchstens eine Flucht in die ungestörte Arbeit. Heute lebe ich dort wegen des Meeres und des Klimas.

SZ: Ihr Kollege Schiffkowitz auch. Treffen Sie sich oft?

Steinbäcker: Oh, nein. Wenn wir ein neues Album aufnehmen und touren, sind wir eineinhalb Jahre lang fast täglich zusammen. Das reicht völlig. Dann ist wieder eineinhalb Jahre lang Pause. Jeder bleibt für sich.

SZ: Wie können Sie getrennt zusammen komponieren?

Steinbäcker: Man kann uns eigentlich nicht einmal eine Band nennen. Wir sind eine Vereinigung von drei Sängern. Jeder schreibt für sich und stellt seine Lieder den anderen vor, fast wie bei einer Prüfung. Dann wählen wir gemeinsam aus.

SZ: Wie war das mit „Fürstenfeld“?

Steinbäcker: Wir dachten uns nicht viel dabei. Ein albernes Spottlied auf einen, der dauernd nach Hause will. Was dann passierte, ist nichts, was man mit normalen Dingen erklären kann. Auf sehr schräge Weise war dieser Song unser Türöffner zum Erfolg.

SZ: Wie ist das, wenn Sie auf dem Oktoberfest sind und Tausende Menschen grölen „I will wieder hoam“?

Steinbäcker: Ich hasse Massenansammlungen und gehe zu so was nicht hin. Ich habe mich daran gewöhnt, dass irgendwie immer irgendwo „Fürstenfeld“ läuft. Ich hätte nur ein Problem damit, wenn die Leute sonst nichts von uns hören wollten. Wir haben ja einen ganz anderen Stil.

SZ: Warum ändert der sich nie?

Steinbäcker: STS ist ein Markenzeichen, das wir pflegen. Wir machen etwas, das dem Zeitgeist widerspricht, dieser perfektionierten, globalisierten Unterhaltungsmaschinerie, die ein geistiges Vakuum erzeugt. Wir bieten eine Alternative, eine Art neues Volkslied. Das hebt uns ab von den Format-Radio-Produktionen, die sich auf der ganzen Welt gleich anhören.

SZ: Ist Kommerz so schlimm?

Steinbäcker: Nicht, wenn man Haltung bewahrt. Wir drei sind unterschiedliche Köpfe, aber eins ist bei uns gleich: Keiner von uns kann sich für Geld verbiegen, keiner kann zum Anbiedern freundlich sein.

SZ: Mit Ihrer Haltungs-Musik sitzen Sie also gerne in Ihrer Ecke?

Steinbäcker: Wir haben einfach Lust darauf, stehen der Sache aber auch total gelassen gegenüber. Niemand weiß, ob das unsere letzte Tour ist.