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Schiffkowitz & Schirmer
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Schiffkowitz & Schirmer 2020

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20 Jahre STS - Ein Resümee  

   Januar 1999, Michael Lang, Zeitung/Magazin unbekannt
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

Irgendwie war es ein grandioses Missverständnis: Anfang der 80er Jahre hatten zwei Musiker ein Lied geschrieben. Josef Jandrisits, Gitarrist bei der deutschen Kultband "Guru Guru" tätig, und Helmut Röhrling alias Schiffkowitz, Mitglied des lokal beliebten Herrentrios "Steinbäcker, Timischl, Schiffkowitz". Der Song hieß "I wül wieda ham" und war als Satire auf den provinziellen Kleingeist gedacht. STS waren zu diesem Zeitpunkt seit fast sechs Jahren zusammen. Alle drei "gestandene" Musiker mit Banderfahrung. Als Trio boten sie anmutige Adaptionen von Beatles-Liedern und eigene Songs und reüssierten damit als Österreichs Antwort auf die Amerikaner Crosby, Stills & Nash. Das alles war sehr schön, hat etliche sehr gefreut, war aber nicht wirklich der Stoff, aus dem Karrieren sind. Und dann kam dieses Lied: STS nahmen es 1984 auf, nannten es "Fürstenfeld" und schossen damit in den Kommerz-Olymp: Im Sommer waren sie die Nummer 1 der Hitparade. Weil Kommunikation stets beim Empfänger stattfindet, wurde die Satire zum Schlager: Beim Münchner Oktoberfest erdröhnten die Zelte unter Blasmusikversionen von "Fürstenfeld".

Dann passierte etwas ganz Interessantes. Der Durchbruchssong kam auf eine Langspielplatte namens "Überdosis G'fühl", sie verkaufte sich mehr als 50.000-mal. Danach befahl die Plattenfirma Polydor höflich, den nächsten Hit zu schreiben. Und dieser kam nicht, STS funktionierten noch nie auf Befehl. Stattdessen produzierten sie eine weitere LP, ganz ohne Hit im Vorfeld und somit eine Todsünde in diesem Geschäft. Doch siehe da: "Grenzenlos" verkaufte allein in Österreich mehr als 200.000 Stück. Damit war der wesentliche Grundstein der endlosen Geschichte STS gelegt: Sie brauchen keine Hits, sie machen Lieder. Sie überstehen jeden Radioboykott, denn sie haben unaufgeregt treue Interessenten. Die Konzerte der obligaten Herbsttourneen sind üblicherweise oft schon im Frühjahr ausverkauft: die Wiener Stadthalle, der Grazer Stefaniensaal und der Circus Krone in München sind dann mehrere Abende gefüllt. Doch auch ständige Kritik begleitete die drei Musiker auf dem Weg ihrer Karriere:

" (...) aber eben nur die Steirischen Triefäugigen Sabbergreissaftsäcke sind, gegen den Zeitgeist und die Kälte in unseren, aber was, in ihren Herzen ansingen, weil sie ihren moralischen Surplus aus dem eigenen schlechten Gewissen, diesem guten Ruhekissen, schlagen und wie eine Monstranz vor sich hertragen und uns wissen lassen, daß nix ist mit Nas'n voll Schnee & Seidenkrawatt'n jeden Tag & die Jean von Calvin Klein & Leut' im Szenetreff, und wenn mit diesem geriatrischen Gegreine und gangränösen Gesülze schon wieder eine drittel CD vollgeflennt ist, dann fragen sich mein Schutzengel und ich: Wie spät darf ein Späthippie eigentlich werden?" (Falter, 29.02.1995). Doch solch einer Kritik kann man nur mit einem Lächeln entgegenkommen und "kalt und immer kälter" werden. Ein wahres "Weihnachtsgeschenk" war auch das Konzert am 19. Dezember 1998 im Stefaniensaal. Den "Drei steirischen Musketieren" gelingt es auch nach 20 Jahren noch, das Publikum zu begeistern. Gleich am Beginn bewiesen sie: "Und das Feuer brennt immer noch lichterloh ganz so wie's früher war". Dieses "Feuer" konnte man auch deutlich in der Musik wahrnehmen, vor allem in den Songs der neuen CD "Volle Kraft". Sie sind eben noch nicht "endlos müd". Schiffkowitz führte - wie immer - durch den Abend und erzählte im gewohnten satirischen Stil so manche Begebenheit aus der STS-Geschichte (u.a. die lange und komplizierte Entstehungsgeschichte des Liedes "Fürstenfeld").

Nach einer „Überdosis G’fühl" in den Zugaben wollte Gert Steinbäcker „noch ein Lied bevor i geh" singen. Doch während tosendem Applaus und ständiger „Zugabe"-Rufe des Publikums beschlossen die drei, sich „auf a Wort" zu verabschieden. Nach dem Konzert hatten „treue Fans" noch die Möglichkeit, mit STS hinter der Bühne zu sprechen. Beeindruckend ist, dass alle drei am Boden der Realität geblieben sind und nicht, wie so viele andere, im arroganten „Künstlerhimmel" schweben. Gert Steinbäcker wird 1952 in Graz geboren. Er absolviert wechselnde Gymnasien nach eigenen Angaben mit „nicht einmal mäßigem, sondern negativem Erfolg" und lernt im Jahr ’68 Thomas Spitzer (jetzt EAV) kennen, der gerade eine Band - „Mephisto" – gegründet hat und einen Sänger sucht. Der Sänger wird Gert Steinbäcker. Drei Jahre lang erschreckt er mit dieser Band die Bürger. Dann erreicht ihn ein Ruf aus Fürstenfeld und er gesellt sich zu der Gruppe „Mashuun". Nach zwei Jahren löst sich diese Band auf. Steinbäcker, inzwischen quasi arbeitslos, hält sich mit Jobs wie Versandleiter in einem Spielwarengeschäft bis Wäschereifahrer etc. über Wasser. 1975 trifft er mit Schiffkowitz zusammen und es ergibt sich die erste Möglichkeit eines Zusammensingens in der Art von Crosby, Stills & Nash, resultierend in einem ersten Auftritt im Grazer Stadtpark, der aber auch gleichzeitig der Letzte bleibt. 1978 gibt es dann ein „internationales" Soloprojekt unter dem Namen „Stony Becker" und im Herbst 1978 – der eigentlichen Geburtsstunde von STS – findet am 16. Dezember das erste Aufmerksamkeit erregende STS-Konzert statt, und zwar im Schloss Freiberg bei Gleisdorf. Steinbäcker schreibt damals außerdem noch die Musik für fast alle Kinder- und Jugendstücke im Grazer Schauspielhaus.