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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Einen Abend lang zu Hause  

   20.12.2001, Michael Saria, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

Zum Abschluss der "Best-of-Tour 2001" gastierte STS in Graz. Für viele ein Heimkommen.

Wenn i wieder einmal allein bin, weiß i, dass i des net will, liegt eh immer nur am Eigensinn, liegt eh sicher nie am G‘fühl.
Während Bettina den Kopf nach hinten legt und sich die Frage durch selbigen gehen lässt, hat ihr Vater nicht so viel Geduld: "Da Steinbäcker is‘ da Beste", schreit er den Respektabstand zunichte. "Da Wüde mitn Schnauzer." Man könnte getrost seine Platzkarte darauf verwetten, dass Bettinas Papa seine Hände auch bei Plusgraden in den Hosentaschen vertieft.

Beim Ehepaar Seiner, das wenige Meter entfernt dem großen Ereignis buchstäblich entgegenzittert, klingt das ähnlich - nur dass sie statt "Da Wüde" so etwas wie "Authentizität" fehlerfrei über die rauen Lippen bekommen. "Die drei sind so erdig wie eh und je."

Vor dem Liebenauer Eisstadion in Graz versammeln sich Dienstag- abend tausende, die sich auf den "Großvater" freuen und "Auf a Wort". Und fest mit "Herrn Lohengrin" rechnen. Es ist der Abend, an dem Jung und Alt einer Musik lauschen, sich Piercings mit Ringen unter den Augen mischen und Sternwerfer in Brillen mit Gleitsichtgläsern spiegeln. Es ist STS, die Tour 2001, das Heimkommen.

Weil das Feuer brennt immer noch lichterloh, immer noch, des is klar, weil das Feuer brennt immer noch lichterloh, ganz so wie‘s früher war.

Bis zum Konzertbeginn sind es noch ein paar Schluck Glühwein hin, die auch noch in der Stadionkantine wärmen. Dort würde Heike "sonst gerne" plaudern. Aber im Moment hat sie, bei aller Liebe, andere Sorgen: "T‘schuldigung, aber i‘ suach mein Autoschlüssel."

Im Gegensatz dazu ist Ilse Golob schon beinahe professionell entspannt. Kein Wunder, sieht sich die Bruckerin doch selbst als "Stammgast": "Und i werd‘ so lang‘ zu Konzerten fahren, solange die Herren spielen."

Das machen "die Herren" Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz pünktlich zur "Prime Time" ab 20.15 Uhr. Es ist ein Heimspiel, in jeder Hinsicht: Es braucht nur ein paar Gitarrengriffe, um den Saal zum Beben zu bringen - oder zum Mitsingen, Hand in Hand, mit geschlossenen Augen. Gut, an die mitgebrachten niegelnagelneuen Lieder muss sich so mancher erst gewöhnen. Aber wenn die "Sunn kummt", wollen ohnehin alle "ham nach Fürstenfeld". "Und irgendwann bleib‘ i dann dort".

"Gut 4000 werden es schon sein", meint Herbert Mattersdorfer von der Grazer Polizeidirektion nach einem Rundumblick. Schmunzelnd muss er zugeben, dass er ein "großer STS-Fan" sei. "I hab‘s mir g‘wunschen, dass i heut‘ Dienst machen kann."

Wenn du mich manchmal auch auslachst und mich oft einen Spinner nennst, für dich könnt i mich glatt ändern, weil i spür, dass du an mir hängst.

"Backstage" wird an diesem Abend noch auf die eine oder andere vom Gitarrengurt gezeichnete Schulter geklopft und über "23 Jahre STS" gerätselt. "Ich weiß auch nicht, warum wir uns so lange halten und bei Jung und Alt ankommen", gesteht Günter Timischl. "Aber es ist gut so."

Beim ersten wohlverdienten Krügerl Bier gesteht der "Wüde" Gert Steinbäcker, dass es "wie immer ein tolles Konzert" war. "I komm‘ ja aus Graz, also is‘ es für mich wie Heimkommen." Und Helmut Röhrling alias Schiffkowitz meint auf die Frage, ob die Tournee erfolgreich war: "Die Münchener Olympiahalle war ausverkauft." Dass sich Augenbrauen dermaßen in die Höhe schrauben können . . .

Herbert Mattersdorfer hängt für diesen Abend sein Polizeikapperl an den Nagel. "Es war eine echt tolle Stimmung, unvergesslich."

Weil das Feuer brennt immer noch lichterloh, immer noch, des is klar, weil das Feuer brennt immer noch lichterloh, ganz so wie‘s früher war.