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Schiffkowitz & Schirmer
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Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Gefühle in der Zehenspitze  

   27.11.2001, Michael Zirnstein, Süd-Deutsche Zeitung
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

Jenseits von „Fürstenfeld“: „STS“ begeistern in der Olympiahalle

Boygroups aus Österreich sehen anders aus: Da trägt der eine Schnauzer, der andere Silbermähne und der dritte Rockerzotteln zum Kassengestell. Als wären sie in einer Fernfahrerkneipe gecastet worden. Bloß nicht mit der Mode gehen – die althippiehafte Erscheinung gehört zur Marke STS, ebenso wie die Gerüchte, die Drei hätten wieder mal genug und würden den Menschenmassen bald für immer Servus sagen. Das konkurrierende Label heißt Austria 3 (auch das Burschen-Trio Fendrich/ Ambros/Danzer spielte in diesem Jahr in voll besetzter Olympiahalle ) und steht für Wien, Eleganz, Gaudi. Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz versprechen Steiermark, Lagerfeuerlümmelei, Melancholie. Austria 3 gegen STS – das sind die Einsteiger gegen die Aussteiger.

„Boygroup“ nennen sich STS ironisch, doch sie sind Liedermacher (was man leicht aus elf Gitarren auf der Bühne schließen kann), die vom Altwerden am falschen Ort singen. Drei Einzelgänger, die sich alle paar Jahre im Studio oder zur Tournee treffen und sich eine Hand voll neuer Songs vorspielen.

Günther Timischl bringt quengelnde Lieder für den Frieden mit, kämpft gegen Globalisierung und nervt bisweilen mit zerschlissener Schlager- Metaphorik von der „Reise auf dem blauen Planeten“ oder dem „Tanz auf dem Vulkan“. Helmut „Schiffkowitz“ Röhrling gefällt sich und den Fans am besten als standhaft ergrauter Rocker an der elektrischen Telecaster. Und Gert Steinbäcker versöhnt alle miteinander, je mehr seiner Lieder zum Finale hin erklingen: Er erzählt vom „Großvater“, dass jeden fröstelt; weckt Sehnsüchte nach dem Strand von Griechenland und nach Liebe, die man „in den Zehenspitzen spürt“; lässt die Leute von den Stühlen springen und zu seinem Skihüttenhit „Fürstenfeld“ tanzen. Tip-Top-Dreigesang oben – Tip-Top-Publikum unten. Tausende singen und schluchzen mit. So schafft das keine andere Gruppe made in Austria, und Nachwuchs von dem Format ist nicht in Sicht.