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Die Gelassenheit des Griechen  

   September 2003, Autor unbekannt, Steirer Monat
   hinzugefügt am 07.11.2004  von Roland

Die Gelassenheit des Griechen.

Die Zeit vergeht in Graz, die Zeit vergeht in Griechenland. Und auch bis zum Erscheinen der nächsten CD der steirischen Musikformation STS vergeht immer ein bisschen Zeit. "Unabänderliche Tatsachen soll man nicht bewerten", stellt Gert Steinbäcker, immerhin ein Drittel von STS, fest. Diese Aussage bezieht er allerdings auf sein Alter . Fünfzig ist er geworden, jedoch ist seither auch schon wieder Zeit vergangen, mehr Zeit als ihm bis zu seinem 51. Geburtstag noch bleibt. Wesentlich mehr Zeit. Immerhin hat sie gereicht, um die zwölf für eine STS-CD dringend notwendigen Songs - oder soll man sie Lieder nennen? - aufzunehmen. Und am 8. September tritt der immer wieder unwahrscheinlich scheinende aber mit logischer Stringenz ebenso immer unvermeidbare Umstand ein, dass eine neue STS-CD die Plattenläden betritt.
"Herzverbunden" heißt das Opus und enthält zwölf neue Lieder oder Songs, je vier von Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Schiffkowitz. Gerechtigkeit quasi. Ungerecht ist, dass Schiffkowitz keinen Vornamen hat, die anderen aber schon.
Mehr zusammen herzverbunden. "Herzverbunden", ein Song von "Schiffi", dem Mann ohne Vornamen. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob man mit einer typischen STS-Platte rechnen dürfe. Wir erlauben uns, Platte zu sagen. "Eine typische STS-Platte?", kontert Steinbäcker. "Es ist eine STS-Platte, ja." Eine weitere Frage erscheint am Horizont: Verbringt Steinbäcker einen nicht geringen Teil des Jahres auf griechischen Inseln, um so zu sein, wie er ist, oder ist seine Anwesenheit auf Patmos und Korfu, wo er jeweils ein Refugium in Hausform sein Eigen nennt, eine Folge dessen, dass er so ist, wie er ist? Sein Geheimnis? "Ich halte mich nicht für besonders geheimnisvoll." Mit einer gewissen einsilbigen Gelassenheit umgibt er sich. Oder ist es Gelassenheit?. Oder seine Weise, mit Emotionen zu leben? Es sei das neue Werk eine CD "mit eigentlich sehr schönen Songs", bemerkt Steinbäcker, "was ich selten sage". Was nicht heiße, dass andere Cds eher unschöne Songs enthielten. "Sie wirkt mehr zusammen", präzisiert Steinbäcker. Was er damit sagen wolle, fragen wir ihn. "Wir haben uns mehr Mühe gegeben, die Arrangements zusammen zu erarbeiten." Gemeinsam. Es sei schon möglich, dass da eine Stimmung zugegen gewesen sei, die in den letzten Jahren ein bissl gefehlt habe.
"Wenn Du 50 bist, solltest du Dinge tun, die Du tun möchtest", empfiehlt der Sänger. "Beweisen musst Du nix mehr." - "Der Nachbar", ein Song von Gert Steinbäcker. "Über die zwei Prozent Nachbarn, die richtige Arschlöcher sind. Mit kubanischen Anklängen, weil ich, als ich den Song schriebe, gerade aus Kuba zurückgekommen war." Was er denn nach fünfzig tun wolle, fragen wir Steinbäcker. "Vielleicht irgendwann einmal ein Buch angehen." Keine Autobiografie. "Sicher nicht." Ein Buch eben. "Und nach wie vor beschäftigen mich Text-Ideen, an denen ich arbeite." Außerdem kümmere sich um die geschäftlichen Belange von STS. Wer denkt hier bei Griechenland schon an Arbeit? "Ich kann auch nichts daran ändern, wenn der Eindruck entsteht, dass ich nichts tue." Er habe, gesteht Steinbäcker, ein ziemlich ausgeprägtes Freiheitsbewusstsein. "Das ist nichts für ein Eheleben." Dass er keine Kinder habe - "nicht wissentlich" -, ob er das bedaure? "Jede Lebensform hat Vor- und Nachteile, unterm Strich kommt immer das Gleiche raus." Er sei persönlich ein ziemlicher Pragmatiker, manchmal tue ihm das Leid.
Mit zunehmenden Alter werde er vor Auftritten immer nervöser. Überhaupt ängstlicher. Z.B. Höhenangst habe er früher nicht gehabt. "Vielleicht wird einem das Leben wertvoller, weil es ja kürzer dauert." Was wer als künstlerisch wertvoll betrachte, das sei ihm “scheißegal”. Wenn er ein Lied schreibe, dann sei das konzentrierte Arbeit an einer Mitteilungsform. An einer Geschichte, die autobiografische Elemente enthalte. "Aber was Du erlebt hast, weißt nur Du." Die Grazer Parkgaragen seien zu teuer. "Das sollte man in jedem Artikel schreiben." Man müsse, sagt Gert Steinbäcker, "sein gesamtes Werk akzeptieren lernen."