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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2019
   
Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Bei STS brennt das Feuer immer noch  

   30.11.2004, Helmut Kunz, Der neue Tag
   hinzugefügt am 06.12.2004  von Andreas

Österreichische Kultband reißt ihr Publikum in der Weidener Mehrzweckhalle mit

Weiden. Der mit dem Zottelhaar in der Mitte schaut recht kaputt aus, der Graukopf an der rechten Flanke wirkt introvertiert und der Schnurrbartträger am linken Flügel gibt sich ziemlich desinteressiert. Anfangs. Es ist halt ihr Image, das Schiffkowitz, der Mann ohne Vornamen, Günter Timischl und Gert Steinbäcker, kurz STS genannt, seit mehr als einem Vierteljahrhundert pflegen.

Frei nach dem Motto: Was schert uns die Welt, die kann uns mal. "Es hat sich nicht vermeiden lassen: Da san mer wieder!" Es dauert nicht lange bis die drei ausgebufften Folk-Rock-Grufties aus Austria recht lebendig und leidenschaftlich werden. "Das Feuer brennt immer noch, und zwar recht ordentlich." Schiffkowitz ist derjenige in der Gruppe, der gern mal mit den Leuten im steirischen Zungenschlag plaudert und so manche Binsenweisheit von sich gibt. Und schnell wird klar: Mit dieser Band ist's, wie mit gutem Wein: Je älter, desto besser.

Der Abend in der seit Wochen ausverkauften Mehrzweckhalle ist "demokratisch" aufgebaut. Die drei singen im regelmäßigen Wechsel. Gleich zu Beginn eine Ladung neuerer Songs vom "Herzverbunden"-Album. Langsame Nummern. Nicht unbedingt Partyknaller. Aber: Die Melodien hören sich gut an, die Texte sind mitunter politisch aufgeladen. Man singt von der "heilen Welt" im globalen Dorf, weiß aber nur zu gut, dass "fusioniert und ohne Hemmung abkassiert" wird. Man entlarvt die "feinen Herrn" und Gewinnlern und hält ihren Gefolgsleuten den Spiegel vors Gesicht: "Bist ja nur ein Trottel."

Die eingefleischten Fans lauschen brav den Botschaften aus den neuen Liedern, die sich deutlich gegen Duckmäusertum richten. Man muss genau hinhören. "Wohin geht die Reise" heißt ein anderer politisch angehauchter Song mit Schlussfolgerung: "Es gibt koa Paradies" und "Das Licht am Horizont wird gar nicht heller." Man singt von Liebe und Nachbarschaftsstreit, von Ausländerhass und Österreich.

Auch der zweite Teil bleibt facettenreich mit lyrischen Gitarrensounds und Lagerfeuerromantik. Aber jedes Mal dann, wenn das Alt-Herren-Trio zum harmonischen Dreigesang ansetzt, kommen die Fans auf Touren. Es sind jetzt doch mehr die alten Knaller, die auf die Leute herunterprasseln. "Irgendwann bleib' i' dann dort". Der Text ist nicht mehr zeitgemäß. Steinbäcker textet um, gibt zwanzig Jahre dazu: " ... noch bevor der Herzinfarkt, mich mit sechzig in die Windel prackt." Das Publikum jubelt. Längst stehen die Fans vor der Bühne.

Mit "Großvater" kommt noch mal eine sentimentale Nummer. Dann geht's nach "Fürstenfeld" und kerzengerade dem Finale entgegen. Das wird mit dem ins Steirische übersetzten George Harrison-Titel "Hier kommt die Sunn" eingeleitet. Die Sidemusiker werden vorgestellt. Allen voran der brillante Neuerwerb, Bläser und Keyboarder Franz Zettl. "Auf a Wort" singen STS noch "Bevor i' geh'.