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Schiffkowitz & Schirmer
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Schiffkowitz & Schirmer 2019

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Vier Jahre für ein Solo - Schiffkowitz und der lange Weg  

   03.07.2000, Reinhold Gruber, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 26.02.2005  von Livia

"Mir ist einfach lange nichts eingefallen", sagt Schiffkowitz und schränkt ein. "Mir ist schon etwas eingefallen, aber ich war damit nicht zufrieden." Das Etwas sind Lieder, die das Leben schreibt. Deswegen hat es Jahre gedauert, bis Schiffkowitz "Er selbst" sein konnte. "Er selbst" heißt das Solo-Album, das indirekt Georg Danzer zu verdanken ist - und zwei langen Reisen, auf denen ihm dann doch etwas eingefallen ist.

Vor vier Jahren hatte Schiffkowitz für ein Tribut-Album des Schurl Danzer den "alten Wessely" interpretiert. Er besang jenen vergangenheitsliebenden Mann, dessen Gedankengut heute leider politisch aktueller ist denn je.

"Da habe ich mir gedacht, das wäre die ideale erste Nummer für mein Solo-Album." Als die Muse Schiffkowitz küsste, war es schon zu spät. Zu spät auch deshalb, weil die Abmischung des in London eingespielten und in Wien komplettierten Albums völlig misslungen war. "Ich wollte den Sound rau, direkt, hart. Aber irgendwie war der Garagensound plötzlich sehr verwässert", sagt der Steirer im OÖN-Interview.

Schiffkowitz stand vor einer schwierigen Entscheidung: "Entweder bringe ich das Album heraus und stehe nicht dazu oder ich lasse es vorerst bleiben." Das zweite S von STS (einmal musste dieser Ersatz für das Schreiben des Namens Schiffkowitz schon sein, Anm.) entschied sich für Zweiteres. Die Folge: Es kam die STS-Tournee, die Arbeit am Livealbum und in der Folge die Entscheidung, beide Produktionen parallel auf den Markt zu bringen.

"Lautspieler"

Jetzt klingt "er selbst" so, wie es Schiffkowitz wollte. Rau, direkt, schörkellos, irrsinnig spontan, mit viel Punch und Energie. Ein Album, das "laut gespielt werden muss". Auf der CD findet sich zumindest der Hinweis "Play it loud!".

"Das ist eine Reminiszenz an alte Zeiten. Konkret an ein altes Livealbum von Ian Hunter, auf dem dieser Satz steht. Damals musste man ja die Schallplatten wirklich noch laut spielen, um all die Nuancen eines Konzertes auch wirklich zu hören."

In den Texten dreht sich alles um das Leben in seiner vielfältigen Form. Es geht um Freude und Trauer, um Liebe und Tod. Schiffkowitz liebt es handfest. Er nennt die Dinge beim Namen, sagt, was ihm stinkt. Etwa die Schwarz-Weiß-Malerei in der Ausländer-Diskussion. "Mir geht es so auf die Nerven, wenn es heißt, dass alle Ausländer schlecht und alle Inländer gut sind. Andererseits finde ich es aber genauso schlecht, wenn alle Ausländer auf ein Podest gestellt werden, weil sie so gut sind." Auch diese "umgekehrte Form des Rassismus" spricht Schiffkowitz im Lied "Länderspiel" an.

Politisch, angreifbar

Das politisch klar positionierte Statement zu dieser Schwarz-Weiß-Malerei ist an Eindringlichkeit nicht zu überbieten.

Was Schiffkowitz damit sagen will? "Wenn mir ein Mensch auf die Nerven geht, dann möchte ich das sagen können, egal, ob er aus Perchtoldsdorf oder aus Ghana kommt." Deftiger ausgedrückt: "Wann einer ein Arschloch ist, dann ist es egal, woher er kommt. Er ist ein Arschloch."

Schiffkowitz tut sich leicht. Er hat keine Angst davor, irgendeiner Form entsprechen zu müssen und kann daher in "Länderspiel" sogar auf seine Art rappen. Passieren kann ihm nichts, denn in das Format des Hitradios, das Österreich dauerberieselt, passen er und seine musikalischen Freunde nicht. Tut das noch weh? "Ja und nein. Man kann ja ohnedies nichts dagegen machen", so Schiffkowitz.

Dafür muss man als aufmerksamer Hörer sogar dankbar sein. Denn "Und warum", die Ode an das Leben und vielleicht das stärkste, weil so tief unter die Haut gehende, Lied auf "Er selbst", widerstand aller Studiotechnik. "Es ist die Demo-Version, bei der ich mich zwei Mal versungen und zwei Mal verspielt habe. Aber ich konnte das Lied nicht noch einmal so singen, wie ich es das eine Mal tat." Die Botschaft verstanden sogar im Londoner Studio die Musiker, die kein Wort von Schiffkowitz` Darbietung verstanden haben. "Sie haben mir zu verstehen gegeben, dass sie hier nicht wissen, was sie dazu spielen sollen. Also blieb es so."

Diese spartanische Instrumentierung gibt "Und warum" noch mehr Ausdruck. Text-Zitat: "Und wenn du dann da liegst, kalt, für immer stumm, ist es dann net total egal, wer du warst und wie du g'lebt hast, was du gemacht hast und warum?"

Mehr gibt es nicht zu sagen.