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Es war Krieg zwischen den Generationen  

   18.04.1999, Autor unbekannt, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 05.03.2005  von Riky

Eure Großväter sind sehr bedeutsame Leute. Der eine war Unterrichtsminister, der andere ist Star in einem Hit. Hat's den Großvater des Liedes wirklich gegeben?
STEINBÄCKER: Ich hab' in meinen Songs eigentlich immer nur aufgeschrieben, was passiert ist. Wie ein Fotograf. Als ich acht Jahre alt war, ist mein Vater gestorben. Der Großvater hat ihn mir ersetzt. Er war ein ruhiger, nachdenklicher Mann, der alles positiv gesehen hat. Eine Persönlichkeit.
PIFFL: Für mich war der Großvater nicht irgendein Opa, den man alle zwei Monate sieht, sondern ein nahes Familienmitglied. Er war ein richtiger "Sir", der nie die Fassung verloren und auch zu Hause eine Krawatte getragen hat. Eine Respektsperson.

Das größte Problem vieler Jugendlicher heutzutage ist die Schule. Wie war's bei euch?
STEINBÄCKER: Ich hab' dreimal die sechste Klasse Mittelschule gemacht, mit immer schlechter werdendem Erfolg. Die Ursache war Desinteresse der Sonderklasse. Aber in den Fächern, wo der Lehrer gut war, da war ich super. Einmal wurde der Mutter ausgerichtet, sie soll "dieses asoziale Element", also mich, aus der Schule rausnehmen.
PIFFL: Ich war immer sehr schlecht in der Schule, weil's mich nie wirklich interessiert hat. Ich hab' meine Schwerpunkte immer woanders gehabt. Bin sehr oft fast, aber nie ganz durchgefallen Ich tu' mir halt schwer, meinen Mund zu halten. Deshalb hat's permanent Schwierigkeiten mit den Lehrern gegeben. Da haben es meine Eltern nicht leicht gehabt.

Wie war beziehungsweise ist euer Verhältnis zu den Eltern?
STEINBÄCKER: Die Eltern meiner Generation wurden von uns Jugendlichen ja geradezu bekämpft. Es war eigentlich Krieg zwischen den Generationen. Heute weiß ich, was ich meiner Mutter damals angetan hab' mit meiner Widerborstigkeit.
PIFFL: Für mich waren die Zwänge klein. Mir haben in der Familie immer alle zugehört. Ich bin immer ernstgenommen worden. Erst in der Schule bin ich auf Menschen gestoßen, die gesagt haben: Du kennst dich nicht aus. Ich erklär' dir die Welt. Das war furchtbar. Aber zu Hause hat alles, was ich gesagt habe, einen Wert gehabt. Wenn die zum Beispiel zu meinen Haaren gesagt hätten: "Wie schaut denn das aus?" Ich hätt' sie mir sicher nicht mehr abgeschnitten. Aber sie haben alles, was ich gemacht habe, akzeptiert und unterstützt. Deshalb hab' ich mich nie auf etwas kaprizieren müssen. Das halte ich meinen Eltern zugute.
STEINBÄCKER: Bei mir hat's den Eiertanz mit den Haaren auch gegeben. Meine Mutter war entsetzt. Ihre Freundinnen haben gesagt: "Um Gottes willen! Dein Bub kommt ins Kriminal." Die Beatles und Stones haben als unsere Vorbilder mit langen Haaren die ganze Welt schockiert, und wir haben halt brav in St. Peter unsere Eltern schockiert. Heute kann so etwas niemanden mehr erschüttern, aber damals war es erschütternd, weil es so etwas vorher nicht gegeben hat.

Wie wichtig sind die Eltern?
STEINBÄCKER: Ich sehe ihre Rolle nicht als so wichtig an für die eigene Entwicklung; das kann nur begleitend sein.
PIFFL: Es spielt eine wesentliche Rolle, wie sich die Eltern verhalten. Ich hab' immer gewußt, daß meine Eltern zu mir halten. Man ist viel sicherer und selbstbewußter mit diesem Rückhalt.STEINBÄCKER: Den hab' ich nie gehabt. So hab' ich mir sehr früh angewöhnt, generell das zu tun, was ich mir vorstelle.
PIFFL: Und ich hab's mir deshalb angewöhnt, weil ich einfach gewußt habe, daß es unterstützt wird.

Man hört oft, daß es die Jugendlichen früher viel leichter gehabt hätten?
STEINBÄCKER: Vielleicht waren die äußerlichen Bedingungen leichter. Wir sind zum Beispiel mit zwanzig von zu Hause weg, weil wir mit unserer Band in Frankfurt berühmt werden wollten. Das hat's zwar dann nicht gespielt, aber einen Job haben wir sofort gehabt und auch gutes Geld damit verdient.
PIFFL: Heute müssen sich die Jugendlichen mehr Gedanken machen, wo sie hin wollen. Alle sagen: "Es gibt sowieso keine Arbeitsplätze! Ihr bekommt keine Pension mehr!" Deshalb gibt's eine gewisse Zukunftsskepsis. Es weiß keiner so richtig, wo er hingehört. Ob das, was er macht, das Richtige ist und ob er in Zukunft eine Chance damit hat. Dinge, die früher Lausbubenstreiche waren, werden heute kriminalisiert.

Man hat den Eindruck, daß heute alles etwas ernster geworden ist.
STEINBÄCKER: Natürlich, dadurch gibt es weniger Phantasie. Das ist der einzige Punkt, wo wir es früher irgendwie besser gehabt haben. Heute ist alles härter und etwas enger.
PIFFL: Heute muß man für Dinge, die man tut, früher die Verantwortung übernehmen. Auch der Konsum wird immer wichtiger. Ich weiß nicht so genau,
wie das früher war.
STEINBÄCKER: Jedenfalls war der Konsum nicht so eine Gottheit. In meiner Zeit war man entweder Beatles- oder Stones-Fan. Und der eine hat dem anderen in die Goschen g'haut. Früher hat es klarere Vorgaben gegeben. Da ist die Jugend heute flexibler, aber deshalb auch unsicherer.