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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Poesie und Gaskammer  

   22.09.1992, Autor unbekannt, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 26.03.2005  von Livia

Es wäre leider keine Überraschung, wenn bei der kommenden STS- Tournee ein paar Hakenkreuz-Schmierereien auftauchen würden. Denn Schiffkowitz hat für das neue STS-Album zwei Lieder über Gaskammern und Konzentrationslager geschrieben und gesungen. Eines davon, nämlich "Und es is so schön da", ist ein berührendes Meisterwerk.


Neue STS-Platten kommen einem entgegen wie alte Freunde: Man weiß schon vorher, was man von ihnen erwarten kann, es gibt nichts grundlegend Neues, alles ist vertraut. Und trotzdem ist es schön, sie zu treffen.


Die Hauptthemen sind bekannt: Gert Steinbäcker singt über sein Meer, Familienmensch Timischl über Kinder und davongelaufene Frauen. Schiffkowitz hat einen Neil-Young-Song über den Fluß der Zeit adaptiert. Theoretisch genau das, was schon in sehr ähnlicher Form auf anderen STS-Platten zu finden war. In der Praxis ist man dann angenehm überrascht, denn der STS-Zauber mit dreistimmigem Gesang und glaubwürdigen Künstlern funktioniert immer noch. Und wahrscheinlich kann Gert Steinbäcker noch zehn Meer-Lieder schreiben, ohne daß er einem damit auf den Wecker fällt.


Als aktuelles Thema hat Gert Steinbäcker das Flüchtlingsproblem und die Stimmungsmache gegen Ausländer aufgegriffen. Titel: "Es fangt genauso an". Wie solche Geschichten weitergehen, beschreibt dann Schiffkowitz. Erst geht er der Frage "Wo sind all die Menschen hin?" nach und stellt fest, daß sie erschlagen, erschossen und vergast worden sind. Darauf folgt mit "Und es is so schön da" ein Lokalaugenschein in einem ehemaligen Konzentrationslager.


In diesem Lied ist ihm eine textliche Mischung aus Poesie und Grauen gelungen, und die Musik ist so schön, daß die Zuhörer dabeibleiben, auch wenn sie das Thema nicht interessiert.


Es ist nicht das erste Mal, daß sich STS mit "braunen" Themen beschäftigen. Schon zu "Fürstenfeld"-Zeiten gab es ein Lied mit dem Titel "Das neue Vaterland". Es handelt von einem verhetzten Jugendlichen, der seine Mißerfolge im Leben an Ausländern abreagiert. "Er ist bereit zum Tschuschenjagen, er ist bereit zum Leut' erschlagen." Damals haben nur die wenigsten befürchtet, daß das Lied einmal so aktuell werden könnte.