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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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Der Bezug zur Zeit wird anders  

   06.09.1995, Autor unbekannt, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 10.04.2005  von Livia

Es war im Jahr 1984. Da starteten die drei "Steirerbuam" Steinbäcker/Timischl/Schiffkowitz - kurz STS - mit dem Lied "Fürstenfeld" ihre erfolgreiche Karriere. "Dieser Song", erklären sie, "hat uns die Tore geöffnet. Daß sie aber offen bleiben, muß man sich erarbeiten." Am Montag abend stellte das Trio in Wien sein neuestes Album "Zeit" vor, am 11. Oktober beginnt die Tournee, am 12. Dezember kommen STS auch ins Linzer Brucknerhaus.

Zum Titel "Zeit" sagt Gert Steinbäcker: "Wenn wir an der jeweiligen Produktion arbeiten, haben wir keine Ahnung, wie sie heißen soll. Das fertige Band kriegt dann ein Journalist zum Abhören. So auch diesmal. Er sagte, die CD müsse einfach den Titel 'Zeit' tragen, weil dieses Thema fast in jedem Lied vorkommt. Ja, so einfach ist das. Und im konkreten Fall hat alles seine Logik. Wir sind heute nicht mehr die Jüngsten. Der Schiffkowitz ist 49, der Timischl 47, ich bin mit 42 der Benjamin. Wenn unsereiner ernsthaft Musik macht, kommt er um die Sache nicht herum. Wir haben nun einmal einen anderen Bezug zur Zeit als junge Musiker, die einfach drauflosspielen."

Sieben Studio-Alben haben STS bisher produziert, dazu gab es einen Sampler und eine Live-Platte. Gold war jedesmal das mindeste, was herauskam, und Gert Steinbäcker freut sich besonders, daß auch seine beiden Solo-Alben Gold machten. Die Serie geht weiter: "Zeit" hatte bereits am ersten Tag der Präsentation durch die Vorbestellungen Gold erreicht. Und das in einer Zeit, in der der Austropop von einem Teil seiner eigenen Repräsentanten totgesagt wird?

Steinbäcker winkt ab: "Das Wort 'Austropop' ist mehr oder weniger eine Schubladisierung. Wir haben nie gesagt, daß wir Austropop machen. Wir haben immer nur Lieder gemacht, und die sind - wie wir am Feedback erkennen konnten - offensichtlich recht zeitlos. Ob das nun von einem gewissen Sender gespielt wird, entscheidet die Senderphilosophie. Ob die gut ist, das ist eine andere Frage. Doch Senderphilosophien können sich ändern, ich habe ein wunderbares Beispiel dafür: Vor etwa vier, fünf Jahren kam von Bayern 3 die Kunde, aufgrund von Modernisierungsideen seien STS nicht mehr gefragt. Ein unsäglicher Vorteil ist nun, daß es überall mindestens einen zweiten Sender gibt. Die 'Antenne Bayern' spielte uns jedenfalls rauf und runter. Und jetzt? Jetzt promotet Bayern 3 plötzlich unsere Deutschland-Tournee. So ändern sich die Dinge."

Beim heiklen Thema Ö 3 besteht für STS keine Gefahr: "Wir werden gespielt. Täglich. Und das Lied 'Zeig mir dein' Himmel' ist im Selector. Ich habe Verständnis für meine Kollegen, die diesen Vorteil nicht haben. Gegenseitige Beschimpfungen sind dabei jedoch nicht zielführend, man müßte sich auf einer konstruktiven Ebene treffen. Noch einmal zum Thema: Würde man einzelne Titel nicht spielen, in Ordnung, das liegt ja oft im Geschmacksbereich. Aber Künstler auszugrenzen, sie überhaupt nicht mehr zu spielen, ist und bleibt eine zweifelhafte Sache."

Längere Trennung ist positiv

Die Arbeitsmethoden von STS unterschieden sich bei "Zeit" in nichts von den bisherigen Produktionen: "Wir treffen uns üblicherweise zwei Wochen, bevor wir ins Studio gehen, spielen einander die vorhandenen Nummern vor und treffen dann unsere Auswahl. Die Fetzen fliegen dabei nie. Schließlich sind wir bereits seit 17 Jahren zusammen, da haben wir eine Form gefunden, miteinander umzugehen. Die längeren Trennungsphasen haben sich dabei als durchaus positiv erwiesen. Anfangs gab es nur eine gewisse Ahnung, daß sich das als gut erweisen könnte. Heute merken wir, wie sehr es sich bewährt hat. Wir treffen uns zu den Plattenaufnahmen, gehen gemeinsam auf Tournee, und nachher geben wir zwei Jahre Ruhe. Am Ende freut man sich wieder auf den neuen Start."

Kennern der STS-Produktionen wird diesmal, wie schon beim letzten Mal, auffallen: Es gibt keine Beatles-Cover-Version mehr. "Seit die Beatles-Rechte bei Michael Jackson liegen", sagt Steinbäcker, "ist es sehr schwierig geworden, an die Rechte zu kommen. Da haben wir beschlossen, wir lassen's bleiben."