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Schiffkowitz & Schirmer
Tour 2020
   
Schiffkowitz & Schirmer 2020

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STS beim TschirgArt-Festival  

   9.6.2005, Patricio Hetfleisch, Tiroler Neue
   hinzugefügt am 21.06.2005  von Andreas

STS haben weder Todessehnsucht noch wollen sie aufhören zu spielen. Aber vor dem Tschirgart-Konzert und nach Jahren auf der Bühne denkt man auch mal gern an gestern.

Schon klar. Über STS gab's schon viel zu lesen. Und eigentlich hat man das Gefühl, es ist schon alles gesagt und vieles getan. Aber noch sitzen sie auf ihren Hockern auf der Bühne. Noch zupfen sie ihre Gitarren und erheben die Stimme. Wie Schiffkovitz sagt: "Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Aber es gibt keinen Grund, STS abzuschütteln." Die NEUE sprach (vor ihrem Konzert beim TschirgArt-Festival am 10. Juni) mit ihm über Österreich, Tirol, Kopf und Bauch, Wir sind Helden und Kabarettisten, die sich ernst nehmen:

NEUE: Mit eurem neuen Album Herzverbunden wart ihr schon auf Tour. Erinnert man sich da an einzelne Tour-Stopps. Etwa an den in der Olympiahalle in Innsbruck?

Schiffkovitz: Nach einer so intensiven Zeit kann man sich an einzelne Auftritte kaum mehr erinnern. In Tirol zu spielen war aber immer schön. Außerdem: Das Publikum ist immer so gut, wie wir selbst es sind. Und umgekehrt.

NEUE: Wenn du die Konzerte heute zu denen von früher vergleichst, als STS neben wenigen anderen bestimmend in der österreichischen Musikszene waren. Was hat sich verändert?

Schiffkovitz: Die Rahmenbedingungen. Der wichtigste Radiosender spielt Dialektrock nicht mehr. Zum Beispiel den Boris Bukovski, mit dem wir das Glück haben, in Imst aufzutreten, den hat das schwer getroffen.

NEUE: Frustriert das?

Schiffkovitz: Nestroy hat treffend gemeint: "In Österreich muss man sterben, um lang zu leben." Falco ist da ein gutes Beispiel.

NEUE: Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Denkt man da nicht irgendwann einmal an ein Ende des Projekts STS.

Schiffkovitz: Wir haben keinen Grund, das abzuschütteln. Wir haben die Art Musik erfunden. Mit drei Sängern. Solang wir leben und gesund sind, und solang uns Leute zuhören, werden wir weitermachen. Erst wenn sich das ändert, ist es Zeit abzutreten. Außerdem machen wir neben STS ja noch einiges anderes.

NEUE: Was zum Beispiel?

Schiffkovitz: Ich hab' ein Buch geschrieben, ein Soloalbum gemacht, mit Ostbahn-Kurti gesungen. Es gibt da viele Dinge.

NEUE: Worum geht's im Buch?

Schiffkovitz: Das ist so halb-journalistisch. Es geht um die Sechzigerjahre. Um Musik und Gesellschaft. Ich als Rockmusiker wurde durch diese Zeit stark geprägt.

NEUE: So wie Musik viele junge Menschen stark prägt?

Schiffkovitz: Zwischen 15 und 20 Jahren, das ist eine entscheidende Zeit im Leben. Und gerade in den Sechzigerjahren ist extrem passiert.

NEUE: Zeit der Revolution?

Schiffkovitz: Revolution nicht gerade. Aber selbstverständlich eine Zeit, in der viel errungen wurde, was heute selbstverständlich ist.

NEUE: Damals war das vielleicht so. Aber wie siehst du die heutige Situation?

Schiffkovitz: Man ist heute mehr mit sich selbst beschäftigt. Aber es gibt immer noch erstaunlich gute Leute. Auch im Musikbereich.

NEUE: Wer fällt dir da ein?

Schiffkovitz: Mir ganz persönlich gefällt Barbara Denk gut. Es ist für junge Bands aber deutlich schwerer geworden. Wenig Auftrittsmöglichkeiten, kaum vorgezeichnete Wege und Plattformen: Das macht es kompliziert.

NEUE: Wie war das in euren Anfängen?

Schiffkovitz: Es hat sich anders abgespielt. Allein mit dem früheren Band-Equipment würde man heute keine Mücke aus ihrem Versteck locken können. Dadurch wird das ganze teurer.

NEUE: Musik hatte damals einen ganz anderen Status. Die Masse beschäftigte sich mehr damit.

Schiffkovitz: Heut ist Musik ein Freizeitangebot von vielen. Aber das Pendel schwingt sicher wieder in eine andere Richtungen. Ich hab' mir letztens Wir sind Helden angehört. Ihre Texte sind nicht unwichtig.

NEUE: Von Inhaltslosigkeit also keine Rede?

Schiffkovitz: Ideal ist Musik in der Kopf und Bauch gleichermaßen angesprochen werden. Die Helden sind aktuell und gut. Außerdem politisch und unpolitisch, das schließt sich nicht aus. Auch die Liebe ist wichtig!