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Schiffkowitz & Schirmer
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Ich bin stolz ein Österreicher zu sein  

   26.8.2007, Christian Ude, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 27.08.2007  von Riky

„Ich bin stolz, ein alter Österreicher zu sein“
Steinbäcker, Timischl & Schiffkowitz alias STS sind auch nach 30 Jahren noch ein Dauerbrenner. Am Freitag erscheint ihre neue CD. Wir trafen Gert Steinbäcker vorab.

Die goldenen Zeiten sind vorbei. Was wir damals lustig hab’n ausprobiert, is heut’ reguliert, kontrolliert, zementiert“, singen STS zwar auf dem neuen Album, für das Trio winkt jedoch bereits durch die Vorbestellungen mehr als Gold (Platin für 20.000 Stück). Bestandsaufnahme mit Gert Steinbäcker.

Das neue Album heißt zwar „Neuer Morgen“, bei Themen wie „Dankschön“ und Songs wie „Unser letzter Tag“ könnte man fast ein Abschiedsalbum vermuten.

GERT STEINBÄCKER: Nicht gewollt. „Unser letzter Tag“ ist ja ein Liebeslied, der Song „Dagegen“ ist nicht nur eine lyrische Betrachtung der Gruppe, sondern auch von privaten Situationen, wo es anderen viel schlechter gegangen ist. Aber ich finde es legitim wie bei „Dankschön“, nach 30 Jahren Zusammenarbeit solche Gedanken zu haben. Das entspricht dem Alter und kann beim nächsten Mal ganz anders sein.

Als Titel war ja angeblich auch „Die alten Österreicher“ angedacht – als Anspielung auf die Ö 3-Aktion „Die neuen Österreicher“?

STEINBÄCKER: Das war ein Running Gag im Studio und wir werden ihn sicher ins Konzertprogramm einbauen. Wenn ich so manche Neue höre, bin ich stolz darauf, ein Alter zu sein. Viele so genannte „Neue Österreicher“ sind eigentlich „Neue Deutsche“. Da wird ein seltsames Hochdeutsch gesungen, das mir mittlerweile fad geworden ist. Christina Stürmer hat als Einzige Wiedererkennungswert.

Bis auf „Du sollst leb’n“ wurde jedes Lied von einem STS-Mitglied im Alleingang geschrieben. Gibt es ein Konkurrenzdenken?

STEINBÄCKER: Nein, das läuft pragmatisch. Konkurrenz war nie ein Problem. Wenn es Zeit ist, auf ein STS-Album zuzugehen, schreibe ich vier, fünf Nummern, die für STS passen, und denke nicht daran, ob sie auch für eine Solo-CD brauchbar wären. Das Bindende sind ja nicht so sehr die Themen oder Melodien, sondern dass sie dafür geeignet sind, von drei Leuten gesungen zu werden.

Die von Ihnen geschriebene Nummer „Ende nie“ über die Gewaltbereitschaft der Großmächte und auch im Kleinen sorgte als Vorab-Single für Diskussionen. Haben Sie damit gerechnet?

STEINBÄCKER: Vorweg: Ö 3 spielt ja sowieso nichts mehr von uns. Wenn es so ist, dass Zeilen wie „Dekadente Ärsche“ für Diskussionen sorgen, hat sich wirklich viel verändert. Es ist ja auch ein Song über Intoleranz. Heutzutage hört man ja oft von einem Tritt ins Gesicht an Schulen. Aber das Landesstudio Kärnten spielt „Ende nie“ zum Beispiel. Dort wurde eine Umfrage gemacht: 80 Prozent wollen’s hören.

„Cool und fesch“, ebenfalls aus Ihrer Feder, wird bei FPÖ und BZÖ sauer aufstoßen. Hätten Sie so ein Lied auch in Griechenland schreiben können – oder ist es ein speziell österreichisches Phänomen?

STEINBÄCKER: Rechtspopulisten gibt es natürlich überall, aber nicht in einer derartigen Kasperlform. Bei uns schauen alle gleich lackiert aus und sind bei jedem Event dabei. Ob FPÖ oder BZÖ: Das ist ja alles absolut das Gleiche, das sind zerstrittene Zwillingsbrüder.

INTERVIEW: CHRISTIAN UDE

ZUR NEUEN CD

Vertraut. Fans werden mehr als zufrieden sein, Wegbegleiter sich in den rückblickenden Momenten der CD wiederfinden. Es wird reflektiert, aber auch aufgerüttelt mit Ernst und Humor. Früher war „a Radiosendung a Sendung und net a endloser Schlauch“, heißt es. Dazu kann man nur nicken. Das STS-Album ist kein Schlauch geworden. Trotz Vertrautheit ein abwechslungsreicher Mix. CU

STS: „Neuer Morgen“. Universal.

TEXTAUSZÜGE

Neue Lieder

A Möwe fliegt über die laute Stadt. So was hab i da noch
net g’sehen.
I hoff’, dass sie sich net verflogen hat. Wie damals i, das kann leicht g’schehen.
Weil wenn man fliegt ohne zu landen, is es mit der Kraft einmal vorbei.
Und dann bist du endlos müd’, willst nur deine Ruh’.
Die Tür ist zu, willst niemanden seh’n. Dann lernst du es eben auf die harte Tour.
Du kannst dir selber net entgeh’n. Es kommt a langer, kalter Winter.
Doch jeder Winter geht vorbei.
A neuer Morgen, a neue Zeit.
Und vor mir meine Vergangenheit. A neuer Morgen, a neue Zeit.
Alles groß und weit.

Aus dem Titelsong „Neuer Morgen“

Wir erleben uns grundverschieden, aber immer voll Respekt.
Die Jahr’ sind schnell verflog’n, vergessen tu i sie net.
Und wo mich das Schicksal hintreibt, i werd’ mich dem schon stell’n. Der Wind is wieder rauer word’n, darum haltet mit mir dagegen.

Mit euch halt’ i dagegen,
weil i spür’, dass ihr mich haltet.
Ihr habt es einfach in der Hand,
ob mein Stern vom Himmel fällt.
Mit euch halt’ i dagegen, weil i
spür’, dass ihr mich haltet.
Und aus Erfahrung weiß i dann,
zusammen krieg’n wir alles.

Aus „Dagegen“

Nächsten Sonntag bist du wieder einmal unvermeidbar Kandidat bei einer Wahl.
Und die Chancen sind net übel, meinungserforscht,
für einen, der professionell and’re Leut’ verarscht.
Braun is heut’ gelb, morgen blau.
(...)

Inländer ans Putzgerät, zum Kindermachen früher ins Bett.
Ausländer hinaus, wie das Wort ja schon sagt.
Wer net ordentlich beschäftigt is, wird g’jagt. Wenn der Halbmond am Bergesgipfel steht und die Ortstafel vor’m Kopf wie a Brett.

Aus „Cool und fesch“