Besuch von drei Kumpels

   4.11.2007, Bernd Melichar, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 05.11.2007  von Riky

STS haben am Freitag in Oberwart ihre aktuelle Tournee gestartet. 3000 Menschen sind gekommen, um ihre alten Kumpels spielen zu hören.

BERND MELICHAR

Oberwart. Nicht allzu weit davon entfernt liegen die legendären Heimstätten Stinatz, Sinabelkirchen, Fürstenfeld. Im GPS-System der Herren Schiffkowitz, Timischl und Steinbäcker stellen diese Orte seit 30 Jahren wichtige Koordinaten dar. Später, am Ende dieses Konzertes, werden sie ihren „Welthit“ anstimmen, vom Scheitern in der großen Stadt Wien singen und davon, dass sie wieder heim nach Fürstenfeld wollen. Dann werden die rund 3000 Menschen in der Messehalle von Oberwart bereits begeistert von ihren Sitzen aufgestanden sein und dieses Lied, das ein so fixer Bestandteil des Soundtracks ihres Lebens ist, aus voller Kehle mitgesungen haben. Noch später an diesem Abend, nach einem zweieinhalbstündigen Konzert, werden diese rund 3000 Menschen zufrieden in die zinkgraue Novembernacht hinausgehen und sagen: „Super waren sie wieder, die Burschen.“ Das wird so klingen, als würden sie von drei alten Freunden sprechen, die zufällig vorbeigekommen sind und in ihrem Wohnzimmer spontan ein paar Lieder angestimmt haben. Und eigentlich war es ja auch so.

„Es hat sich nicht vermeiden lassen, da sind wir wieder“, moderiert Schiffkowitz diesen harmonischen Abend ein und erntet sogleich ein warmes Lachen, das durch den Saal wogt. Einen Eisbrecher haben die drei Herren noch nie gebraucht, zwischen ihnen und dem Publikum herrscht seit Jahrzehnten freie Fahrt und das Wissen, dass sich der eine auf den anderen verlassen kann. Der Sound in dieser Messehalle ist glasklar, und stimmlich sind Schiffkowitz, Timischl und Steinbäcker bestens disponiert. Unterstützt werden sie von vier Mitmusikern, die gehörige Dampf machen können, wenn es die Umstände erfordern. Mit Songs aus dem aktuellen Album „Neuer Morgen“, die noch eine Weile brauchen werden, um sich im kollektiven Gedächtnis festzuhaken, starten sie das Programm.

Die Zeitreise

Nach dem neuen Morgen geht die Sonne auf und die Zeitreise ins Land der Evergreens kann beginnen. „Do kummt die Sun“, „Gib’ des Bandl aus die Hoar“, „Irgendwaun bleib i dann durt“. Bei letzterem Lied nimmt Sänger Steinbäcker schmunzelnd eine Textkorrektur vor. „Bevor der Herzinfarkt mich mit 40 in die Windln prackt“ heißt es im Original. Nachdem der Zahn der Zeit auch vor ihm nicht Halt gemacht hat, erhöht er den Zeitpunkt des befürchteten Kollaps auf 60. Das Hören all dieser Lieder ist wie das Blättern in einem alten Familienalbum: Jedes Foto hat man schon tausend Mal in Händen gehabt, dennoch schaut man sich die Bilder immer wieder gerne an. Vielleicht auch deshalb, weil einem diese Erinnerungen in einer immer unberechenbarer werdenden Welt das angenehme Gefühl geben, dass es doch noch Konstanten gibt.

Erste Abschiedstournee

Die Herren STS strahlen eine lebensweise Gelassenheit aus, die selbst Buddha als Zappelphilipp erscheinen lässt. Die Chemie zwischen den drei Charakteren stimmt offenbar, jeder lässt dem anderen genügend Platz zum Atmen. Die Höhepunkte, sofern man welche rausgreifen kann: Der „Großvater“ berührt noch immer, „Kalt und kälter“ hat mehr denn je Gültigkeit“, „Das Feuer“ wärmt nach wie vor. Und wie lange soll das so weitergehen? Diese Frage beantwortet Schiffkowitz, indem er verkündet, dass dies die 1. Abschiedstournee von STS sei. Mit der Ergänzung: „Die Rolling Stones veranstalteten drei Abschiedstourneen, jetzt befinden sie sich wieder auf einer normalen Tour.“

Dann haben sie gehen müssen, die drei Freunde. Und es war wieder ein Besuch, bei dem sich alle Beteiligten wohl gefühlt haben. Vielleicht deshalb, weil diese Treffen nicht allzu oft stattfinden und man die gegenseitige Anwesenheit schätzt. Kann aber auch sein, dass all das nur die Meinung eines altmodischen Hundes ist.


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