Stille, traurige Nacht

   10.02.2008, Bernd Melichar, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 17.02.2008  von entersound

Gestern Abend fand in der Grazer Stadthalle das krankheitsbedingt verschobene STS-Weihnachtskonzert statt. Es wurde ein schönes Fest, das allerdings einen Trauerrand trug.

Der Christbaumkauf, die Mette am Stillen Abend, dazwischen das Weihnachtskonzert von STS. Alle Jahre wieder. Und alle Jahre schön. Besonders auch deshalb, weil sich die drei Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz klugerweise so rar machen, damit es einem nicht ergeht wie bei den Keksen. Im Dezember jedoch fiel das vorweihnachtliche Ritual aus, da es dem STS-Drittel Timischl krankheitsbedingt die Stimme verschlagen hatte. Gestern jedoch, an einem milden Abend, der bereits hoffnungsfroh den Frühling erahnen ließ, fand sie dann in der ausverkauften Grazer Stadthalle statt, die verspätete Bescherung.

Schön und traurig

Und es wurde ein schönes Fest mit drei Menschen, die man gerne mag, gerne hört und gerne wieder sieht. Viel Neues (außer einige Songs von der aktuellen CD „Neuer Morgen“) hatten sie nicht anzubieten, aber das erwartete auch niemand. „More of the same“ kann in Turbozeiten wie diesen eine große Wohltat sein. „Da kummt die Sun“ braucht keine frische Politur, der „Großvater“ ist ewig so gültig, wie er immer schon geklungen hat. „Irgendwaun bleib i dann durt“ bleibt Sehnsuchtshymne bis ans Ende der Tage, „Kalt und kälter“ wärmt nach wie vor von innen. Und „Das Feuer“, es brannte auch an diesem von rund 5600 Zuhörern heftig umjubelten Abend lichterloh.

Dass es nicht nur ein stimmiger, sondern auch traurig und nachdenklich stimmender Abend wurde, lag daran, dass Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz erst vor zwei Tagen ihren langjährigen Mitmusiker Wolfram „Woofy“ Abt, der vor zwei Wochen freiwillig die Bühne des Lebens verlassen hatte, zu Grabe getragen haben. Ihm waren dieses Konzert und diese Worte von Schiffkowitz gewidmet: „Wir tun nicht so, als ob nichts geschehen wäre. Wir sagen nicht ´The Show must go on’. Wir werden heute ein würdiges Konzert für Woofy spielen.“

Und so war es dann auch. Es wurde ein stiller, würdiger Abend, an dem alles stimmte: Der Sound, die Chemie zwischen Musikern und Publikum. Der Best-of-Reigen wurde routiniert, aber nie abgebrüht vom Stapel gelassen. Tausend Mal schon gehört, aber dieses Liedgut, das sich so tief in die Biographien der Menschen eingegraben hat, kann man nicht zerspielen.

So wurde es doch noch ein harmonisches Weihnachtsfest im Februar. Mit drei Freunden, die man nicht missen möchte.


„Wir haben nach dem Tod von Woofy lange darüber nachgedacht, ob wir die Tournee absagen sollen, aber das wollten wir euch nicht zumuten.“ (Schiffkowitz)


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