Musik die aus dem Herzen kommt

   2008, Dankmar Isleib, http://www.martinfruehauf.de/images/news/sts/sts_m
   hinzugefügt am 15.06.2008  von Riky

RÜDIGER HOFFANN PRÄSENTIERT
EIN SOMMERABEND MIT STS & Band
OPEN AIRS 2008

MUSIK, DIE AUS DEM HERZEN KOMMT

STS sind Kult. STS beehren in diesem Sommer Bayern mit vier Open Airs, die sie erstmals allein mit ihrer Band - ohne andere Künstler - bestreiten und somit auch im Freien ein abendfüllendes Konzertprogramm präsentieren. Das ist in der langen
Geschichte von STS einmalig. Es gibt derzeit im deutschsprachigen Bereich live nichts Besseres als Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz und ihre hervorragende Band. Das werden stimmungsvolle Abende in ebenso stimmungsvollen Kulissen!

Das aktuelle Interview mit Gert Steinbäcker und Schiffkowitz geführt von Dankmar Isleib

Ich traf die unglaublich relaxten Musiker von STS, der großen österreichischen Kultband, zu einem Gespräch. STS haben gerade zwei ausverkaufte Konzerte vor 12.000 Fans in der Stadthalle in Graz gegeben. Was die mit ihrer abgeklärten und
zugleich total witzigen, sehr kommunikativen Performance (Schiffkowitz führt durch das Konzert) bieten, braucht sich hinter den Super- und Kultbands mit großen Namen aus Übersee nicht zu verstecken. Je reifer der Wein, desto besser... so sagt man. Für STS trifft das allemal zu. Die Open Airs im Sommer 2008 in Bayern werden saugut – das kann man getrost schon jetzt sagen.
Die STS-Musik & Lyrik: Zutiefst ehrlich. Gefühlvoll, kraftvoll, mitreißend. Der Sound der Band: Beeindruckend kompakt, klar, offen, rockig, laidback. Immer melodiös bis melancholisch; regional/international in besten steiermärkischen österreichisch - ohne schmalzigen Wiener Schmäh -, mit großer Power, auch bei den leisen Tönen.

Hervorragender Satzgesang zeichnet Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz ohnehin aus. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: STS – das ist auch eine Band, die richtig Druck machen kann. Erstklassige Musiker stehen den drei STS´lern zur Seite und
bilden eine musikalische Einheit, die man sich immer wünscht, wenn man in ein Konzert geht, aber oft nicht bekommt.
Volksmusik - des Volkes Musik – im besten Sinne. Tiefgehend, kritisch, liebevoll. Musik, die aus dem Herzen kommt und die Herzen ihrer Fans im Alter von 10 bis 70 erreicht. Und das, obwohl sich durchaus ernste Themen mit Hymnen und Liebesliedern mischen. Bei STS gibt es keinen Kitsch, kein Schmäh. Alles ist echt. Ehrlich, glaubwürdig und dadurch spitze! Das österreichische Deutsch eignet sich optimal für den total eigenständigen STS-Sound. Weich und doch griffig. STS haben Songs aus über 25 kreativen Jahren und schöpfen aus den Vollen. Die Fans singen
aus ganzem Herzen mit - das steigert sich schnell bis zur Orkanstärke. Chöre, die man mitschneiden könnte, so sauber schallen sie den Musikern aus der Halle entgegen. Tausendfache Stimmen; jedes Wort, jede Zeile kennen die Konzertbesucher und sie singen astrein von „Großvater“, „Überdosis G´fühl“, „Kalt
und Kälter“ bis „Fürstenfeld“. Ein gigantisches Spektakel der Massen, die sich Eins fühlen mit STS – das werden auch die Open Airs in TEGERNSEE, BAD AIBLING, STRAUBING und NÜRNBERG erneut beweisen. Open Airs in stimmungsvoller Kulisse passen zur STS-Musik ideal. Wer STS in diesem Sommer verpasst, ist zu bedauern. Bands mit soviel Charakter, Charme, unverwechselbarem Stil und musikalischer Qualität sind selten. Sie wachsen kaum noch nach, da uns im Alltag ein schrecklicher Musik-Einheitsbrei der TV-Castings-Shows aus allen Lautsprechern entgegentönt. Bands wie STS sollte man sich viel mehr anhören: Das ist Musik aus dem Leben und für unser Leben. Voll Sinnlichkeit und Freude, ohne Zeigefinger, aber mitunter auch ernst.
STS vermitteln Geborgenheit, machen Mut, verbreiten Freude, animieren zum Leben mit positiven Vibrations. Selbst das musikalische Österreich hat keine zweite Band wie STS. Lebendiges Urgestein einer immer mehr verödenden Musikwelt. Man sollte
sie unter Artenschutz stellen! Denn auch im Nachbarland Österreich gibt es nichts Besseres, als Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz...

Das Interview mit Gert Steinbäcker und Schiffkowitz, dem Mann ohne Vornamen...

?: Gratulation! Ihr habt gerade eine riesige Auszeichnung bekommen, das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark, die höchste Auszeichnung des Bundeslandes und das, obwohl ihr ja mehr als Outlaws und Unangepasste bekannt seid!
Schiffkowitz: Ich hab´s nicht so mit Auszeichnungen – wir alle nicht - , aber das hat uns wirklich gefreut. Wenn man eine solche Auszeichnung bekommt, kann man richtig stolz drauf sein.
Steinbäcker: Ich habe mich deshalb sehr darüber gefreut, weil dieses Land mir kein Matura-Zeugnis (Abitur) gegeben hat, aber dafür hab ich das jetzt bekommen – und das ist in Ordnung.

?: Das ist der gerechte Ausgleich (beide lachen), das ist die subversive Arbeit der Band...
Steinbäcker: ...da kriegt man die Matura vom Land... (herzhaftes Lachen!)

?: STS machen Musik, die berührt.
Schiffkowitz: Wir hoffen zumindest.
Steinbäcker: Es schaut so aus...
Schiffkowitz:...nein, es schaut nicht nur so aus, es ist eine Tatsache. Aber das ist eine große Auszeichnung, wenn man die Menschen berühren kann, weil: man schreibt sich ja vieles von der Seele und wenn das dann auf fruchtbaren Boden fällt,
dann ist das ein wunderschönes Gefühl.

?: So ist es. Ich habe es gestern bei eurem Konzert in Graz erlebt – da passiert
etwas zwischen euch und dem Publikum, ein großer Austausch. Nicht umsonst habt ihr plötzlich den größten Chor der Welt – alle in der Halle singen eure Lieder mit!
Steinbäcker: Richtig gute Konzerte, da muss dieser Austausch stattfinden. Wir haben auch schon Konzerte erlebt, wo der Austausch nicht stattgefunden hat.
Schiffkowitz: Es gibt Konzerte, wo du auf die Bühne gehst und auf eine magische Art und Weise, ist sofort eine Verbindung zwischen dem Publikum und uns da. Und dann gibt´s Konzerte, da musst du lang kämpfen und dann gibt es auch welche, wo der Austausch überhaupt nicht funktioniert - niemand weiß warum. Es hängt auch sehr viel von meiner Tagesverfassung ab. Manchmal habe ich das Gefühl, das geht überhaupt nicht und dann sagen mir die Leute: „Mensch, war das toll und berührend!..“
Steinbäcker: ...Die Tagesverfassung, einzig und allein, so wie du es selbst empfindest. Aber niemals wie es nach draußen sein wird. Man kann ganz schlecht
drauf sein, und die Leute empfinden es als super.

?: Trotzdem kann der Funke überspringen!
Beide (wie aus einem Mund): Ja, natürlich!

?: Was können eure Fans auf den Open Airs in Bayern erwarten?
Schiffkowitz: Das, was sie immer erwarten können. Eine Mischung aus neuen Songs und altbewährten Liedern...
Steinbäcker: ...die man gar nicht weglassen kann.

?: Was mir bei eurem Konzert in Graz aufgefallen ist – und was viele Kultbands verzeichnen können – ist, das euer Publikum mitgewachsen ist. Es gibt die Kids und die Alten, und sehr viel junge Leute...
Schiffkowitz: ...das ist ein Phänomen! Da waren wieder jede Menge fünfzehn-, sechszehnjährige vor der Bühne. Man begreift es nicht, aber man freut sich drüber, man ist auch stolz. Ich denke mir: „Bist du deppert“ - es ist nicht zu glauben! Aber es macht einen unglaublich stolz. Wir spielen inzwischen für drei Generationen!
Steinbäcker: Mir hat gerade eine Frau nach der Show gesagt: „Ihr habt im Konzert alles was lebt!“

?: Das ist wie bei den Stones, die sind zwar alte Säcke...
Schiffkowitz: ...die sind noch ältere Säcke als wir... (Lachen!!)
Steinbäcker: ...was der Herr Jagger zwar nicht einsehen will, aber es ist so!
Schiffkowitz: Es hat schon viel mit der Musik zu tun. Die Kraft der Songs ist es. Wir haben da auch Glück, weil die Konkurrenz schläft. Wenn es da rege Gruppen gäbe, die sehr viel mit Texten und Musik arbeiten wie wir, also da haben wir wirklich Glück.
Wir sind da so richtige Dinosaurier.

?: Ich empfinde eure Musik als sehr relaxt und zugleich kraftvoll auch in den leisen Tönen.
Steinbäcker: Wenn es so ist, ist es wunderbar.

?: Der Dreiergesang, dieser schöne Satzgesang...
Schiffkowitz: ...das gibt’s im deutschsprachigen Raum kein zweites Mal...
Steinbäcker: ...da sind wir schon sehr lange konkurrenzlos. Das bei den Jungen textlich solche Arbeiten nicht mehr vorkommen, damit sind wir seit zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr konfrontiert worden, dass da nichts mehr nachkommt.

?: Sprache, also die eigene, deutsche, ist euch wichtig. Ein Beispiel ist der Titel „Lächerlich“, in dem ihr euch damit auseinandersetzt, was Sprache bedeutet.
Steinbäcker: Was ich absolut ablehne, ist, in einer Sprache zu schreiben, die aus einem Land kommt, in dem ich nicht lebe oder mindestens ein paar Jahre gelebt habe. Es kommen immer komische Sachen heraus, wenn du die Sprache nicht beherrschst. Da hat es bei uns im deutschsprachigen Raum schon viele Lächerlichkeiten gegeben. Aber wenn man seriös Songs machen will, darf man es so überhaupt nicht machen. Witzigerweise waren die sogar manchmal von Erfolg
gekrönt (Einwurf ?: „siehe Bohlen“) – Gelächter – zum Beispiel. Aber wenn man seriös Songs machen will, darf man das nicht!

?: Ich denke, auch Heimatgefühl ist wichtig, um gute Songs zu machen. Egal wo man wohnt und lebt...
Steinbäcker: In meinem Fall ist es so, dass ich ein undramatisches Bild vom Heimatbegriff habe. Ich steh dazu, dass ich von hier bin (Steiermark), dass ich hier den größten Teil meines Lebens verbracht habe, aber das war´s dann auch schon. Ich glaube, die Unzulänglichkeiten und miesen Dinge, die in jeder Gesellschaft vorkommen, sind unabhängig vom Ort wo man gerade ist. Deshalb kann ich auch nicht in ein Jubel-Heimatgefühl ausbrechen, weil es einfach zu viele grausliche Sachen gibt.

?: Heimat heißt zuerst, in sich selbst ruhend?
Schiffkowitz: Ja natürlich. Heimat – darüber ist es schwer zu sprechen. Man muss zum Teil die negative Besetzung erst mal langsam wegschälen. Heimat ist in mir und ich bin durchaus der Meinung, dass man mehrere Heimaten haben kann auf dieser Welt...

?: Einwurf: Heimat nicht gleich besetzt mit Staat.
Steinbäcker: Nein, natürlich nicht!
Schiffkowitz: Heimat hat für mich sehr viel mit Kindheit zu tun. Gerüche, Farben Geräusche...
Steinbäcker: ...und die Vertrautheit...
Schiffkowitz: ...und die Vertrautheit. Natürlich!

?: Was ich bei Eurer Musik so toll finde: Ihr erzählt Geschichten. Geschichten über Liebe, Alltag. Gleichzeitig seid ihr in euren Texten politisch und anarchistisch. Das zieht sich von Anbeginn eurer großartigen Karriere durch alle Platten und Songs.
Von „Ende Nie“ (CD NEUER MORGEN) bis zu „Herzverbunden“ (CD HERZVERBUNDEN und DVD - Live-Mitschnitt - HERZVERBUNDEN) oder „Lächerlich“ (CD VOLLE KRAFT). Sehe ich das richtig so?
Schiffkowitz: Ja, ja kann man ruhig so sagen.

?: Wie schreibst du Songs, Gert?
Steinbäcker: Bei mir ist es so, dass ich zuerst eine Melodie, eine Hookline habe, die mit einer Idee versehen ist. Und dann beginne ich, wenn mir der Song vorstellbar ist, mit Wörtern dran zu arbeiten. Generell ist es bei mir so, dass zuerst die Musik da ist.

?: Und bei dir...
Schiffkowitz: ...Bei mir ist es völlig unterschiedlich. Entweder ich habe eine
Melodielinie, eine Akkordfolge. Oder ich hab einfach eine Textzeile, eine gute Line, die ich aufgeschnappt habe. Es kann oft Jahre dauern, bis dann ein gute Musik dazu kommt. Und umgekehrt dito. Ich habe daheim unzählige Skizzen. Manchmal kann
man das verwenden. Oder ich habe eine Melodie und dann denk ich, Moment mal, da habe ich doch einen passenden Text. Und das fügt sich dann irgendwie. Oder es ist grundsätzlich der Wunsch da, ich möchte über dieses oder jenes Thema schreiben.

?: Bei allen Dreien von STS habt ihr immer Songs, die man euch voll abnimmt. Die stimmen einfach und passen zu euch, die stehen für euch und sind authentisch. Keiner Mode angepasst. Eine eigenständige, schöne Arbeitsweise...
Steinbäcker: ...Wir haben uns nie überlegt, wie man in die Charts kommen könnte. Es ist müßig und ziemlich blöd. Es gibt Musikarten, wo man das halbwegs berechnen kann. Wenn ich an Boney M. denke, an Bohlen, die können das ziemlich genau berechnen, weil man weiß, dass gewisse Musik so und so viele Leuten gerade ansprechen wird. Wenn man aber mit Texten und Liedern arbeitet wie wir, kann man
das kaum mehr tun. Da weiß man eins ganz sicher, dass Liebeslieder die Leute ansprechen, aber bei anderen Themen weiß man das überhaupt nicht.

?: Ihr habt in eurem Programm einen Titel, der das Thema Religion aufgreift. Welchen Stellenwert hat Religion für euer Leben?
Steinbäcker: Für mich hat Religion nichts mit Vereinen zu tun. Vereine, die vorgeben, Gott zu verwalten. Aber ich halt es damit so, dass niemand Gott verneinen kann und niemand beweisen kann, dass es ihn gibt. So muss man das sehen.
Schiffkowitz: Ich glaube an ein übergeordnetes Wesen. Nenne es Gott, oder wie auch immer. Vielleicht auch aus Feigheit, weil sonst das Leben so völlig sinnlos ist, wenn man da nicht glaubt, dass da ein tieferer Sinn dahinter ist. Ich weigere mich zu glauben, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Aber: wir werden es früh genug erfahren.
Und: ich glaube auch, dass der Schiffkowitz vor dreißig Jahren, wenn er mich heute so hört, würde er ungläubig den Kopf schütteln. Aber inzwischen glaube ich wirklich, dass der Mensch gewisse Rituale braucht, an dem er sein Leben festmachen kann.
Und so haben die Religionen schon ihren Sinn. Ich komme aus den Sechzigern. Die Rockkonzerte waren rituale Ereignisse.

?: Das Konzert gestern war für mich auch ein solches Ereignis. Da springt etwas über, dass man gar nicht mehr steuern kann.
Schiffkowitz: Absolut!

?: Da stehen sechstausend Leute und singen! Musik ist für mich Religion. Ein Chor, der STS liebt und deren Songs lebt!
Schiffkowitz: Sagen wir es so, die Menschen merken, wir werden immer älter und sie lernen unsere Songs, weil wir schon bald nicht mehr singen können... (herzhaftes Lachen der beiden)

?: Was können wir den STS-Fans für die Open Airs in Tegernsee (Point) am 12.07.08, Salching/ Straubing (Centro Benedetto) am 13.07.08, Nürnberg (Park des
BR) am 26.07.08 und Bad Aibling (Schloss Maxlrain) am 27.07.08 sagen?
Schiffkowitz: Das weiß ich schon: Freuet euch, wir kommen!!
Steinbäcker: Ich persönlich bin schon sehr interessiert zu erfahren, wie Festivals mit uns in der Konstellation funktionieren. Wir haben früher ja meist nur kurze Programme gespielt. Es ist der erste Mal, das wir den Versuch wagen, alleine, ohne
andere Gruppen einen solchen Auftritt zu machen. Auf das bin ich schon sehr neugierig. Gespannt. Wir spielen das volle Programm.

?: Darauf freuen wir uns sehr. Dennoch eine ketzerische Frage: Was machen STS in
zehn Jahren? (Beide lachen herzhaft!)
Schiffkowitz: Das kann man nicht beantworten.
Steinbäcker: Doch. Es gibt eine Antwort: Es gibt keinerlei Pläne, dieses Projekt zu stoppen. Wir werden in irgendeiner Form, solange es uns Spaß macht und solange es den Leuten Spaß macht, irgendetwas tun. Was genau? Keine Ahnung. Wir
werden auftreten, hin und wieder, vielleicht irgendwann eine neue Platte machen. Aber das sind alles keine Pläne. Das einzige was ein Plan ist, dass es keine klare Absprache zwischen uns gibt, die Sache STS zu beendigen.

?: Also gibt es Hoffnung für eure Fans und es wird STS noch lange geben?
Schiffkowitz: Soweit würde ich nicht gehen. Aber: Solange es uns Spaß macht, solange uns die Leute hören wollen und – solange wir gesund bleiben...

?: Vielen Dank für das Gespräch!
Steinbäcker & Schiffkowitz: Wir danken auch.


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