Das Universum STS

   4.12.2011, Frido Hütter, Kleine Zeitung
   hinzugefügt am 04.12.2011  von Riky

Erfolg misst sich am Raum, den man in der Zeitung einnimmt, hat Elias Canetti einmal sarkastisch bemerkt. Der Nobelpreisträger irrte. Würden STS an ihrer medialen Reflexion gemessen, müsste man sie als ziemliche Versager abbuchen.

In der Tat sind sie etwas anderes: Konsequente Anarchisten in den sonst so strengen Monarchien des Showgewerbes, radikale Regelbrecher, gütige Guerilleros in den Gassen des Glamours, Hoffnungsträger des Gedankens, dass manches anders sein könnte, als es gemeinhin ist. Dass man auch mit Eigensinn ein Wir-Gefühl erzeugen kann.

Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Schiffkowitz haben mehr als zwei Millionen Tonträger verkauft, sind vor Hunderttausenden Menschen live aufgetreten, haben Songs mit Volksliedpotenz geschaffen. – Die üblichen Vorbedingungen für Leute, die danach nicht mehr unbehelligt einkaufen oder auswärts essen können.

STS können das bis heute und wären sie ein wenig eitler, müssten sie sich ob der Ruhe, die man ihnen lässt, fast kränken.

Die Geburtsstunde von STS dauerte Jahre. Der kargen Ära folgte das Gefährlichste schlichtweg: Ein Megahit, man erinnere sich, es ging da um eine Stadt im Südostösterreichischen, mit dem STS unverzüglich die Lufthoheit im Bierzelt errangen. Da beschlossen die drei sensiblen Burschen erschrocken, fürderhin keine Hits mehr zu produzieren, sondern nur noch Musik. Mit ein paar goldenen Ausrutschern ist ihnen das bis heute gelungen. Titel wie „Großvater“, „Irgendwann bleib i dann dort“ u. Ä. gehören in den gehobenen Kanon heimischen Liedgutes und sind Longtime-Seller geworden.

Auch auf dem Höhepunkt des ersten Hypes traten STS vorerst weiter auf wie ein Geselligkeitsverein, der sich gitarristisch gestützter Mehrstimmigkeit verschrieben hat. Keine Varylights, keine Strobos, keine Equalizer, keine Vidiwalls waren mit von der Bühnenpartie. Lange vor der später grassierenden Unplugged-Welle hatten sie den Stecker gezogen und sich auch den Begehrlichkeiten der Plattenindustrie und deren schepperndem Gefolge verweigert. Dass sie mittlerweile in Ensemblestärke auf mittlerweile gut ausgeleuchteten Bühnen spielen, ist kein Zugeständnis, sondern eine sorgsam entwickelte Erweiterung der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. In München konnten sie dabei kürzlich 23.000 Gäste begrüßen. Für die Heimspiele in Graz (ab 14. Dezember) wurden über 15.000 Tickets verkauft.

Authentisch, kongruent, in sich ruhend, würde die Psychologie die STS-Verfassung nennen. Einer der Gründe vielleicht, warum Medien so wenig mit den Dreien anfangen können, warum so oft mieselsüchtige Herablassung aus den Zeilen tropft und warum das quotengeile Fernsehen am attraktiven Massenphänomen STS scheitert.

STS als Band zu bezeichnen, greift zu kurz. Sie sind eher ein kollektiver Gefühlszustand, der –sparsam, alle paar Jahre nur – offenbar spielerisch leicht abzurufen ist. Ein paar Plakate in der sommerlichen Stadt und die winterlichen Konzerte sind meist mehrfach überbucht. Von einem Publikum, dessen Breite dem demografischen Ist-Zustand entspricht und das in generationenübergreifendem Einvernehmen die lockeren Musikanten mit ihrer durchaus strengen Philharmonie wieder trifft, deren zwischenfristige Absenz kaum bemerkt wurde.

Es sind gute Menschen, die träumerische Aussteigerballaden mögen und ein paar Takte weiter hoch melancholische Lyrik über Auschwitz ertragen. Menschen, die im STS-Universum leben, in welchem vieles so ist, wie es sonst nirgendwo sein darf. Wo man sich geborgen fühlen darf, ohne dafür angelogen zu werden. Nicht daheim und doch zu Hause.

Der Jahrhundertgeiger Isaac Stern hat gesagt: Das größte Verbrechen eines Musikers ist, Noten zu spielen anstatt Musik zu machen. STS vermeiden dies in höchstem Maße, sie machen Musik und mehr als das. Sie machen irgendwie glücklich.

Der Text erschien erstmals auf der DVD „Herzverbunden“ (Universal) und wurde für diesen Beitrag neu bearbeitet.


Drei neue Lieder


Tournee: Seit 12. Oktober sind STS auf Konzertreise (mit zehn Terminen auch in Deutschland). „Es ist die letzte große Tournee, aber es wird uns auch künftig live geben“, erklärt Gert Steinbäcker. Alle noch bevorstehenden Termine sind ausverkauft – wie Klagenfurt am 5. Dezember, Salzburg am 11. Dezember und die Heimspiele in Graz: Keine Band bzw. kein Künstler zuvor füllte drei Mal in Folge die Stadthalle (14., 15. und 17. Dezember). Aktuelles Album: „STS – Das Beste aus über 30 Jahren Bandgeschichte“ ist im Herbst erschienen (Amadeo/Universal) und enthält auf zwei CDS neben allen Hits wie „Großvater“ auch drei neue Songs: „Out of Fürstenfeld“, „Dein eig’ner Weg“ und „Die Zeit“.

2012: „Da passiert einmal mit Sicherheit gar nichts“, sagt Steinbäcker. Zumindest nicht nach außen. „Denn das heißt nicht, dass es kein arbeitsreiches Jahr werden wird“, fährt er fort, „wir werden uns demnächst zusammensetzen und uns über die Zukunft unterhalten, da werden sich neue Vorhaben ergeben“. Steinbäcker etwa schreibt an neuen Nummern – sowohl für ein weiteres Solo-Album als auch für STS. CU



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