Stinknormal steirisch

   27.11.2001, Jochen Temsch, Süd-Deutsche Zeitung
   hinzugefügt am 30.07.2003  von Andreas

Dialektrocker STS feiern nach ihrem Konzert im „Frühauf“

Der Applaus dröhnt bis hinunter in die Katakomben der Olympiahalle. 9000 Menschen schreien, trampeln und pfeifen. STS? Ein Phänomen. Das Haus ist ausverkauft, und das mit 23 Jahre altem, eigentlich anachronistischem Liedermacher-Sound. In einem fenster- und schmucklosen Raum in den Oly-Eingeweiden warten ein paar geladene Gäste auf die steirischen Haltungs-Rocker Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Helmut Röhrling, alias Schiffkowitz. Als sie aus ihrer Garderobe kommen, gibt es noch einmal Beifall und Umarmungen. Unter anderem gratulieren TV-Kommissar Erol Sander, die Schauspieler Michael Mendl („Am besten gefiel mir der ‘Großvater’-Song“) und Michael Roll („STS treffen meine Gemütslage voll“).

Um Mitternacht gondelt die Gesellschaft mit dem Tourbus durch verschneite Straßen nach Solln ins Restaurant „Frühauf“. Die Stimmung an Bord ist albern wie bei einem Schüler-Ski-Ausflug.

Schlagzeuger Gerd Wennemuth ruft mit dem Handy beim Busfahrer an: Jemand soll bitte übers Mikro einen Witz erzählen. Keyboarder Ewald Beit schlägt vor: „Wir könnten ja auch was singen. Wie ging noch mal das Lied mit dem Schinkenbrot, dem Schnaps und dem Ei?“

Im „Frühauf“, in gediegener Kronleuchter- und Damasttischdecken- Atmosphäre, verschmäht Gert Steinbäcker das warme Buffet und den kühlen Weißwein, trinkt lieber Pils. „Ich bin stolz“, sagt er. „Die Menschen scheinen das große Bedürfnis zu haben, stinknormale, fair gemachte Musik zu hören. Das ist unser Sieg über den Mainstream, obwohl uns die großen Sender missachten. Das sollte ein paar Leuten zu denken geben.“ Sein Freund Schiffkowitz freut sich, dass so viele junge Leute im Publikum sitzen: „Sie wissen, wir nehmen sie nicht aus. Alles kommt bei uns von Herzen.“ Und Günter Timischl meint: „Sobald es für uns nur noch Routine ist, hören wir auf.“ Neben der Konzert- Feier findet eine schlaffe Geburtstags-Party im Lokal statt. Ein Alleinunterhalter orgelt eine lahme Version der STS-Hymne „Irgendwann bleib i dann dort“. Ein letztes Pärchen tanzt.


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