Die Behaglichkeit der Stahlsaiten

   04. Dezember 2004, Michael Werner, Stuttgarter Zeitung
   hinzugefügt am 19.01.2005  von diesls

Er sagt das seit Jahrzehnten: "Ich bin das letzte S - ich bin der Schiffkowitz." Und er sagt auch, dass das immer so bleiben wird. Der steirische Liedermacher Schiffkowitz, der im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen Gert Steinbäcker und Günter Timischl im trauten Sängerverbund STS seit 25 Jahren ohne Vornamen auskommt, ist kein Mann für Überraschungen. Damit ist er der ideale Sprecher eines Trios, das niemals vorgibt, die Musik neu erfunden zu haben, sondern stattdessen bereits im Eröffnungssong seines neuen Albums "Herzverbunden" eine Sehnsucht artikuliert, die unter Zuhilfenahme einschlägiger musikalischer Untermalung auch für Härtefälle verwirklichbar scheint: "A heile Welt für a paar Stunden" besingt Günter Timischl, der Stimmgewaltigste des Trios. Es ist das zweite Lied des Abends im gut gefüllten Hegelsaal der Liederhalle, gleich drauf stellt Schiffkowitz, wie immer, "euch Schrägstrich Ihnen" die Kollegen vor.
Wenn Schiffkowitz sich statt der Western- eine E-Gitarre umhängt, dann schaut er manchmal so befremdet drein, als hätten unbotmäßige Schüler ihren gutmütigen Musiklehrer in höhnischer Absicht mit Moderne dekoriert. Doch ein STS-Konzert, auch dieses wieder, ist eine sympathisch unaufgeregte Angelegenheit ohne Zynismus, bei dem drei wackere Vorarbeiter des stimmungsvoll getexteten und eingängig komponierten Liedes unter Zuhilfenahme von 18 wohl gestimmten Stahlsaiten und einer soliden Hintergrundband eine Form von Behaglichkeit erzeugen, der auch die mahnenden Songzeilen von der garstigen Welt da draußen nichts anhaben können. "Manchmal möcht i losschrein auf die böse Zeit" singt Timischl da - doch statt vokaler Eruption vernimmt man zum Refrain wieder harmonischen Satzgesang.
Dafür, dass die wohlig warme STS-Gegenwelt nicht allzu gleichförmig anglüht gegen die harte Wirklichkeit, aus deren Trümmern sie befeuert wird, dafür sorgt Gert Steinbäcker. Der Autor der intensivsten STS-Titel agiert auf der Bühne mit der Gelassenheit eines lockeren Liegestuhlvermieters kurz vor Feierabend, während sich Schiffkowitz an der Botschaft aufreibt und Timischl an den Kratern dieser Welt. Dann singt dieser Steinbäcker "Irgendwann bleib i dann dort", "Großvater" und "Kalt und kälter" und legt in diese zwanzig Jahre alten Perlen emotionaler österreichischer Songschreibekunst die simple Erkenntnis, dass Lieder nicht unbedingt die Welt verändern können, aber zumindest das Leben des Sängers und mitunter auch eine Stimmung im Publikum. Er sieht dabei aus, als fühle er sich wohl. Und das Schöne an einem STS-Konzert ist, dass man sich dabei ungestraft wohl fühlen darf.


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