Schuld ist der Ostbahn

   13.09.2003, Bernhard Lichtenberger, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 26.02.2005  von Livia

Seit 25 Jahren zupfen STS die Gitarren, packen Ideale, Werte und Gefühle in Lieder. Denkmäler? Den Gedanken weckt das Cover ihrer neuen CD "Herzverbunden" (Universal), das Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz wie die in Fels gemeißelten amerikanischen Präsidenten vom Mount Rushmore zeigt. "Purer Zufall", sagt Gert Steinbäcker im OÖN-Gespräch. Es war nur so, "dass die ganz klaren Fotos von uns vielleicht gar nicht mehr so angesagt sind."


Probleme mit dem Altern? "Man merkt halt, wenn man sich in den Spiegel schaut, dass man älter wird. Und das ist ja nicht immer witzig. Meine persönliche Morgendepression endet aber nach zehn Minuten."


Der Albumtitel, so will es die Anekdote, danken STS Kurt Ostbahn. Der Schiffkowitz hat einige Sachen mit dem Ostbahn gemacht und sich darüber beklagt, dass sie sich privat nie sehen. Der Ostbahn hat drauf gesagt: Des macht nix, wir sind eh herzverbunden."


Songs sind keine Rezepte


Die drei Liedermacher bleiben bei ihren Themen: Zusammensein, Liebe, Freundschaften aus Revoluzzer-Tagen, die langsam verblassen, der bauwütige Nachbar, Globalisierungs-Gestöhne, Selbstreflexion. Der naiven Illusion, fertige Rezepte für ein Sein zwischen Selbstverwirklichung und Aussteigertum zu finden, darf sich niemand hingeben. Steinbäcker: "Songs sind keine Betriebsanleitung für Lebensformen, sondern maximal Ideen." Diese Ideen taugen, das tägliche Hamsterlaufrad anzuhalten, sich Inspiration zu holen, etwa durch das Lied "Lass fließen die Zeit". Gelegentlich gelingt Gert Steinbäcker diese Entschleunigung: "Ich zelebriere das in Griechenland. Dort kann ich zwei Stunden am Meer sitzen, ein Bier trinken, eine Zigarette rauchen und nachdenken. Manche Leute können das gar nicht mehr."


Obwohl STS von bestimmten Radiosendern nicht mehr gespielt werden, wurde der Zustrom zu ihren Konzerten kontinuierlich stärker. Die Tour vor eineinhalb Jahren war die erfolgreichste in der Trio-Geschichte mit einer ausverkauften Olympiahalle in München.


Nächste Tour: Herbst 2004


Also doch Denkmäler, die man sehen muss. "Na ja, wenn man die Linien nicht so krampfhaft zieht, geht es den Rolling Stones nicht anders. Alle Gruppen, die sehr lang existieren, haben irgendwann einmal eine Hoch-Zeit gehabt mit ihren Songs. Sie haben immer weitergearbeitet, obwohl man die Hoch-Zeit nicht mehr einholt. Aber wenn du aufhörst, neue Produktionen zu machen, bist du tot. Dann bist du wirklich ein Denkmal." Aber zu einer STS-CD sind sie ohnehin noch vertraglich verpflichtet, und ab Herbst nächsten Jahres geht's wieder auf Tour.


In privater Runde greift Steinbäcker ungern zur Gitarre. "Ich hasse das. Im Gegensatz zu Wolfgang Ambros. Der spielt immer."


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