Erinnerungen an das zweite Jahrzehnt STS

   1998, Reinhold Gruber, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 26.02.2005  von Livia

STS & Band live. Zwei Tourneen, 1995 und 1998. Zwei CDs. Rückblick auf die zweiten zehn Jahre STS. Von langer Hand geplant.

Schon 1993 war den Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz klar, dass es sieben Jahre später ein zweites Live-Album des steirischen Dreigesangs geben wird. "Zum einen hatten wir einen Deal, der uns zu drei Alben verpflichtete", nennt Gert Steinbäcker im OÖN-Gespräch einen vertraglichen Grund. Doch der ist in Wahrheit nur vorgeschoben. Denn: "Nach dem Live-Album 1988, das unsere ersten zehn Jahre einfing, als wir mit drei Gitarren und drei Stimmen unterwegs waren, war klar, dass das Spielen mit der Band einiges verändert hat. Also war dieses Live-Album schon ein Wunsch von uns, weil es ein Rückblick auf die zweiten zehn Jahre STS ist. Die Songs spannen sich dabei natürlich über einen Zeitraum von 20 Jahren."

Und in zehn Jahren könnte es das nächste STS-Live-Album geben. 2001 geht es ohnedies wieder auf Tournee, wobei eine neue Platte keine zwingende Notwendigkeit dafür ist. "Aber wir haben schon vor, mit neuem Album auf Tour zu gehen", sagt Schiffkowitz.

Die lange Vorplanung für das Live-Album hatte nicht nur mit dem Bestellen der besten Studiotechnik für die Tourneen zu tun, sondern auch mit dem eigenen Anspruch. "Wir wollten die besten Aufnahmen verewigen."


Mag der Hörer so manche Erinnerung auffrischen, so gab es dies bei den Steirern nicht. "Das kannst du nur verstehen, wenn du ein Musiker bist. Zu den eigenen Liedern hat man eine eigene Sicht der Dinge", sagt Steinbäcker.

Stolz ist vorhanden

Und doch erinnert ihn das Live-Album an etwas: Stolz zu sein auf das Geschaffene.

Warum? "Es gibt so viele Menschen, die Lieder von uns mit Ereignissen in einzelnen Lebensabschnitten in Verbindung bringen. Das wissen wir. Und wenn 50 Prozent der Leute im Publikum unter 20 Jahre alt sind und jeden Song mitsingen, dann darf man stolz darauf sein."

Dabei dürfte diese Generation gar nicht mehr wissen, wer oder was STS sind. Denn im Österreich mit einem Mainstream-Brei überziehenden Dudel-Radio, das sich fälschlicherweise Hitradio nennt, sind Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz kein Thema mehr. "Wir passen nicht in dieses Format", hat Steinbäcker die Erklärung zu oft gehört. "Vor lauter nicht vorhandenem Selbstbewusstsein wird nur mehr das gespielt, was in England schon ein Hit war. Wenn dann nämlich ein Werbekunde kommt und fragt, warum man gerade dieses Lied spielt, kann man ja immer sagen, das ist ein Nr.-1-Hit in England."

So sehr STS diese Situation frustriert, weil sie sich auch auf das Arbeiten an neuen Songs auswirkt, so lachhaft ist es anderseits. "Wir entsprechen keinem Genre mehr, sind Gäste in der ORF-Sendung Treffpunkt Kultur und dann reden wir auf locker in einem Privatradio aus dem Bundesland. Das ist doch herrlich."

Und doch hat der Ö3-Boykott österreichischer, weil deutschsprachiger Musik, tiefe Wunden hinterlassen. "Du kriegst selbst ein komisches Gefühl, wann du an eine neue Nummer herangehst", spricht Steinbäcker, der die vergangenen eineinhalb Jahre in "Probe-Pension" verbracht hat, aus eigener Erfahrung. Das Vorhaben, nichts Kreatives zu tun, hat den Steirer aber nicht getaugt. Jetzt ist es wieder Zeit für neue Taten.

Bald wird abgerechnet

Vom Radioboykott dürfe man sich nicht beeinflussen lassen. "Wir wollen weiterhin so gute Songs wie möglich schreiben, weil ich davon überzeugt bin, dass sich die Situation bald schon verkehrt. Es gibt so viele Stimmen, die dieser zwangsbeglückende Mainstream auf die Nerven geht. Und außerdem werden irgendwann einmal die, die dafür verantwortlich sind, mit ihrer Unterschrift dafür haften müssen, sukzessive die österreichische Musikszene bewusst und vorsätzlich ausgelöscht zu haben."

Wer STS übersetzt

Es gibt STS nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch. Beispiel Unique II, bei denen aus "Irgendwann bleib i dann dort" "The way I need to go" wurde. Steinbäcker: "Als ich das Demo-Band gehört habe, dachte ich mir: Die Stimme ist okay, der Text in der Übersetzung auch. Nur einzig und allein das türkische ¸Hey ho` in der Mitte hat mich gestört. Denn für mich hat dies die Vorstellung, dass so die Türken auf der griechischen Insel einmarschieren, auf der ich mein Haus habe. Also habe ich zurückgeschrieben, sie sollen das zurücknehmen. Das taten die Unique-II-Produzenten auch, haben mir aber mit Bedauern mitgeteilt, dass sie das mit Wehmut gemacht hätten. Denn sie hätten Kindern den Song vorgespielt und die hätten gerade das überlaute ¸Hey ho` leiwand gefunden."

Das Thema Coverversionen hat Steinbäcker auch schon lachen lassen. "Ich war neulich mit einer Freundin essen, die nicht viel mit Musik am Hut hat. Da erzählt sie mir plötzlich, dass sie jetzt wieder eine Coverversion eines STS-Hits gehört hätte: ¸Here comes the sun`. Und ich habe eine Sekunde wirklich nachgedacht und mich gefragt, warum ich davon nichts weiß." Die Freundin weiß jetzt natürlich, dass "Da kummt die Sunn" die STS-Übersetzung des Beatles-Originals ist.

STS haben eine US- Webside im Internet. Ein Fan hat alle Lieder übersetzt. Auch die Coverversionen . . .

Erlebnis Konzertbühne

Ihr Kapital sind Stimmen, die sich im Gleichklang formen. Ihr Kapital sind Lieder, die österreichische Musikgeschichte schrieben. Lieder, die man von der ersten bis zur letzten Zeile mitsingt und manchmal auch mitlebt. Das Album "STS live" (Polydor) weckt Erinnerungen. Erinnerungen an STS-Konzerte. Erinnerungen an eigene Erfahrungen im Leben, die irgendwie mit dieser oder jener Nummer in Zusammenhang stehen. Und Erinnerungen an Lieder von STS, die gar nicht mehr gespielt werden. Fazit: Das Live-Album beweist, dass STS auch mit Band viele Emotionen schüren, weil sie über Dinge singen, die uns alle angehen.

Erlebnis im Alleingang

Schiffkowitz ist ein Rocker. Er lässt gerne die Sau heraus. Das kann er mit seinen Freunden S und T nicht so machen. Also musste er alleine gehen, "Er selbst" (Universal) sein. Schiffi bluest, rockt, rollt und singt dazu Texte, die das Leben schreibt. Berührend und tief unter die Haut gehende wie "Und warum", treibende und fröhliche Stimmung verbreitende wie "Alles Theater" oder einfach echte Gassenhauer wie "Nur Lieder", in dem sich Schiffkowitz selbst augenzwinkernd begegnet. Ein modernes Album eines Österreichers, das viele Ohren verdient hätte. Weil es dann viele Käufer gäbe.


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