Stationen zwischen Hamburg und Griechenland

   18.09.1997, Ludwig Heinrich, OÖNachrichten
   hinzugefügt am 10.04.2005  von Livia

Doppeleinsatz für STS-Drittel Gert Steinbäcker. In Graz wird derzeit das Stück "Glück" geprobt, für das er die Musik geschrieben hat. Premiere ist am 19. Oktober. Außerdem stellte er sein nunmehr drittes Soloalbum "Stationen" vor. Im Frühjahr geht der Grazer auf Tournee. Ein Konzert im Linzer Posthof ist eingeplant.

Zu "Glück" kam es, als Gert Steinbäcker bei einer "Geierwally"-Produktion seinem alten Bekannten Reinhard P. Gruber begegnete: "Wir plauderten und beschlossen, etwas miteinander zu machen. Derlei nimmt man sich tausendmal vor, im konkreten Fall klappte es jedoch wirklich. Ich würde ¸Glück' als Heimatfilm bezeichnen, der sich unermüdlich selbst auf die Schaufel nimmt."


Märchen vom Steirerbuam

Held ist ein kleiner Steirerbub, der von seinem öden Bauerndasein genug hat, in den USA sein Glück versucht - und macht. Eines Tages kommt er zurück und macht auch zu Hause alle glücklich. Mit seiner ¸Marie' natürlich. Steinbäcker: "Ich habe insgesamt 13 Nummern komponiert. Es wird sogar einen Soundtrack mit der Originalbesetzung geben, nur ein Hamburger Schauspieler kam mit Verspätung an, und für den bin dann auf der CD ich eingesprungen. Ich singe das Lied ¸Vochera macht bums'. Der Vochera ist einer, der dauernd etwas in die Luft sprengt. Ich bin der Dorfblinde, der immer im Wirtshaus sitzt, aber mehr sieht als die Sehenden."

"Glück" machte ihm insofern Spaß, als es "für mich eine völlig verschiedene Form von Arbeit war. Den Kitsch, den ich auf meinen Alben stets zu vermeiden versuche, konnte ich hier bedenkenlos loswerden. Gruber könnte sicher selbst Liedertexte schreiben, aber er hat keine Übung. So gab er mir Prosatexte, ich brachte sie in Reimform."

Für das Soloalbum hatte er zwei, drei Nummern fertig, und "schon war mir klar, daß es für das gesamte Projekt ein Konzept geben könnte, nämlich verschiedene wichtige Lebensstationen in musikalischen Bildern. Es beginnt mit dem Song "Hamburg": "Ich habe mit der frühen EAV ein Jahr lang dort gespielt. Somit war es fast logisch, daß Thomas Spitzer diesen Text schrieb. Mit 22, 23 ist man wahnsinnig empfindlich für Eindrücke. Hamburg war für mich der Inbegriff der großen, weiten Welt. Ich habe nur sehr wenige Stunden schlafend im Bett verbracht. Ich war dort auch verliebt und ich habe getrunken. Den Namen der fernen Geliebten habe ich vergessen, musikalisch waren wir recht erfolgreich. Manchmal setzte sich ein gewisser Otto Waalkes bei uns an die Kassa und verkaufte Karten. Für derlei Showeffekte hatte er schon immer etwas übrig. Die Hell's Angels sind auch zu uns gekommen, mindestens in Gruppen von 30 Personen. Von ihnen kassierte niemand. Einmal luden sie uns sogar in ihr Hauptquartier ein. Dieser Einladung konnte man sich nicht verweigern."

Von erheblicher Wichtigkeit ist ihm natürlich auch das Lied "O Xenos": "Auf einer kleinen griechischen Insel unter Samos habe ich praktisch meine zweite Lebensphase verbracht, und ich hab' jetzt ein Haus dort. Langsam schwindet das Urlaubergefühl, man ist zwar ein Fremder, wird aber doch integriert. Diese spezielle Nachbarschaftssituation habe ich versucht, in einem Song umzusetzen. Dafür brauchte ich aber einen griechischen Partner. Das heißt: Ich sing' meinen Text steirisch, er seinen griechisch. Durch eine günstige Fügung von Umständen fand ich Antonis Vardis, er wird das Lied außerdem, unter umgekehrten Vorzeichen, auf seine neue CD nehmen."

Es gibt bei Steinbäcker auch noch zwei Cover-Versions: "Wie die Wintersonn" von Wolfgang Ambros und "Vakuum" von Udo Lindenberg.


Das Rätsel Ö 3

Fragt sich also nur noch, ob das Repertoire von "Stationen" in das sogenannte "Format" von Ö 3 passen wird: "Ich glaube nicht, daß sie mich spielen. Ich kann deren Kriterien zwar nicht folgen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß jeder Österreicher, der das 40. Lebensjahr überschritten hat, nicht mehr ins Programm kommt. Ich hab' nachgedacht, aber ich komm' einfach nicht dahinter, warum Ö 3 unsere Musik quasi auslöschen möchte."


Starke Texte, bekannte Musik

Schwarz oder weiß malt das Leben nie, singt Gert Steinbäcker in "Kein Rezept", einem der neuen Songs von "Stationen" (Amadeo). Der Steirer mit der prägendsten Stimme des Dreierradls STS ist kein Rosarotmaler, er nennt die Dinge des Lebens beim Namen. Die Sehnsüchtigen, die Gefallenen, die Unterdrückten. In seinen Wortspielen findet sich deshalb auch oft das wahre Leben wieder. Seine persönliche Bilanz über sein bisheriges Leben als Musiker ist da - textlich - keine Ausnahme. Musikalisch bleibt Steinbäcker seinem Strickmuster treu und geht nur einmal wirklich neue Wege: Wenn er musikalisch einen Bogen in seine zweite Heimat Griechenland schlägt, spricht er seinen Fans aus dem Herzen. (rgr)


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