STEINBÄCKER im Interview

   31.08.2007, Christoph Andert, krone.at
   hinzugefügt am 02.09.2007  von entersound

War es für dich an der Zeit, ein Lied wie „Ende Nie“ zu schreiben?

An der Zeit... puh, hab i keine Ahnung; i mach Songs dann, wenn sie aufstoßen. A Song fällt einem ein, und dann is er genau genommen an der Zeit – wenn er einem einfallt. Und sie is derzeit eklatant zu beobachten, diese sinkende Hemmschwelle, was die Gewalt betrifft. In einem Song kannst du keinen Artikel schreiben, du musst in drei Minuten klar machen, was Sache ist. Und da nimm i a plakative Sprache und denk’ net im geringsten daran, dass das jetzt unbedingt a Radio spiel’n muss. Der Song entsteht im Sinne des Gesamtprodukts und ist ein Cut von einer CD.

Dass dann der Versuch, das den Radios hinzulegen, auf teilweise nicht einmal Ablehung, sondern auf die Situation stößt, dass man den Song nicht spielen darf, das hab i dann mit Verwunderung, besser gesagt Erstaunen zur Kenntnis genommen. Aber i akzeptier’ das völlig, weil es gibt offensichtlich Radiozuhörerkreise, die soetwas nicht hören wollen. Wobei i mir gar net sicher bin, ob’s die Zuhörer sind, die das nicht wollen, oder nicht vielleicht doch gewisse Programmchefs. Vielleicht halten die ihre Hörer nicht für das, was sie sind – aber das geht zu weit, das will i net beurteilen.

Aber noch einmal, um ganz auf den Kern zurückzukommen: Die Songs über politische Situationen schreibt man ja immer als Fotografie einer Sache. Man äußert sich ja nicht direkt, sagt nicht, das sollte anders sein. Die alten Singer/Songwriter aus England und Amerika haben das immer gemacht. Es gibt auch heut’ noch politische Songs, i denk da an des „Dear Mister President“ von da Pink. Der Song is zwar so totg’spielt, dass ihn keiner mehr hören kann, (lacht) aber er zeigt genau das, worum es geht. Das ist genau diese Tradition, dass sich ein Künstler über Gefühlsbereiche äußert, die mit der Liebe z’tuan haben können, aber genausogut mit einer politischen Geschichte. Und nix anderes is bei „Ende Nie“ passiert.

Wenn ich jetzt „Cool und fesch“ ansprechen darf; der Song ist ja sehr genau auf zwei, drei derzeit besonders laute Politiker, die man im Lied allerdings ganz klar erkennt, gemünzt...

Natürlich is das so, aber i muaß dir das auch ein bisschen revidieren. Der Sinn des Liedes war für mi wiederum net, einen Song über diese Politiker zu schreiben. Das, was den Gefühlsbereich angezwickt hat, war, dass wir es seit ur-langer Zeit gewohnt sind, aus diesem blauen, orangen Eck – oder wie immer die grad farblich aufgeteilt san – immer Sätze zu hören, die entweder völlige Unwahrheiten sind, oder die immer mit dem Nationalsozialismus kokettieren. Und da denk i mir, wie kumm i dazu, dass i mir immer solche nationalsozialistischen Kokettierereien anhören muss? Man denke zurück an die „ordentliche Beschäftigungspolitik“ vom Herrn Haider und jetzt an die Wiki-Jugend vom Herrn Strache – es geht immer wieder um diese Geschichte, die eigentlich schon wirklich lange gegessen und aufgearbeitet sein sollte.

Okay, das war so a Punkt, aber das hätt’ mi immer no net dazu bewegt, a Lied drüber zu schreiben. Wirklich die Idee hab i g’habt, wie der Herr Westenthaler im Fernsehen erzählt hat, dass er die Information hätte, dass die muslimische Glaubensgemeinschaft auf den Gipfeln der Berge in Österreich Halbmonde anstatt der Gipfelkreuze aufstellen will. Da hab i mir g’sagt, jetzt reicht’s! Es hat sich ja eine Aktionistengruppe zu dem Brief bekannt und ihn als Fälschung geoutet. Und er hat aber no immer g’sagt, nein, nein, das stimmt. Also dieses Stimmung machen, gegen etwas, das absolut net stimmt – das war der Punkt, wo’s mir z’vü war. Es is so a Mischung zwischen einerseits drüber lachen müssen und andererseits is es traurig.

Was hat dich vor „Ende Nie“ am meisten schockiert und den Song so drastisch, deftig und heftig werden lassen?

Der Auslöser, die Initialzündung für den Song war der Einmarsch der Amerikaner im Irak, der einerseits diese völlige gegenseitige Ignoranz und gleichzeitig Intoleranz der muslimischen Welt gegenüber bzw. der Extremisten, die um Gotteswillen nicht meine Freund’ sind, zu Tage gebracht hat. Andererseits war da dieses in völliger Unkenntnis Drauf- Los-Gehen à la da machen wir jetzt Krieg und da verdien’ma auch dabei. Schon allein, wie man den Kriegsgrund plausibel machen wollte, der sich ja dann in Luft aufgelöst hat. Nämlich, dass sie angeblich so und so viele Waffen dieser Art hatten, die sie dann aber gar nicht hatten. Da hat dann sogar noch der Rumsfeld gesagt, er wisse hundertprozentig, dass sie da sind – obwohl sie nicht da sind.

Also, es war so a Kriegsgrund, der plausibel genug erschien um ihn vorzuschieben. I seh’ die Sachen zwar auch nur im Fernsehen, i hab also auch net mehr Ahnung als jeder andere haben kann. Aber, wer abertausend Tote für solche ignoranten und intoleranten Ziele in Kauf nimmt – das war ja das Beispiel für den Song, der diese Gewalt beschreibt... (denkt kurz nach)... aber es is ja net nur Krieg. In der zweiten Strophe geht’s etwa um die Schulhöfe. Wo früher einer den anderen höchstens in den Schwitzkasten genommen hat, treten sie sich heute mit’n Bog (Schuh) ins G’sicht. I seh da eine unglaubliche Verrohung und das war der Hintergrund für das Lied.

...das so viele Radios nicht spielen wollen, und das euch auf eure „alten Tage“ noch einen kleinen Skandal eingebracht hat.

Es is ja sehr witzig, was die ORF-Landesstudios betrifft. Kärnten, Vorarlberg, Tirol spü’n das alle, weil sie total positive Reaktionen bekommen haben. Die Steiermark spielt’s net, die Niederösterreicher sind völlig ausgeklinkt. Die haben g’sagt, dass wenn wir dort für a Interview hinkommen, dürfen wir den Song gar net erwähnen.

Aber es spricht für das Gewicht, das STS anscheinend hat...

Ja, und vor allem, wenn man schaut, warum: Wenn i jetzt g’schrieben hätt, der Gusi is a Oasch, dann hätt ma an Skandal – zu Recht. Aber so... es passiert ja nix, i greif ja niemanden an. Man erzählt a G’schicht, die hält und außerdem nicht einmal erfunden ist. Dass das so eine Art von Aufregung bringt, das is net so leicht nachzuvollziehen.

Es is a Bestätigung und nebstbei net schlecht. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste mit einem Augenzwinkern: Es is a supa Werbung. Auf die G’schicht hab’n sich alle Printmedien draufg’schmissen, die sonst sagen, okay, STS hat a neues Album, schön für euch. Aber da war ja absolut Vollpower im Spiel. Und der andere positive Aspekt, ist, dass es gut ist, ohne tendenziös zu sein, so a Thema hinzulegen und es wird wirklich drüber diskutiert – i find das cool!


Interview: Christoph Andert


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